Literatur - Neuerscheinungen


Zeitgeschichte

Ilse Helbich
Schmelzungen.

Graz 2015 (Droschl Verlag), 136 Seiten, 18 Euro, ISBN: 978-3854209645

Noch einmal hat Ilse Helbich die Notizen der letzten beiden Jahre, ihre Kommentare zum Altern, ihre Selbstbeobachtungen und Aufzeichnungen zu einem neuen Band zusammengestellt. Im Mittelpunkt steht dabei ein bestimmtes Phänomen, das die Autorin in vielen Formen und an unterschiedlichen Orten wahrnimmt und das der Titel Schmelzungen widerspiegelt: In ihrem hohen Alter nimmt sie den Charakter des Übergangs zwischen unterschiedlichen Lebensphasen, zwischen Erinnerungen und Träumen ganz intensiv wahr, eins geht ins andere über
und verwandelt sich wie unter großer Hitze. Und ein Besuch in Dresden führt ihr noch eine andere Dimension des Schmelzens unter großer Hitze vor Augen: Die wiederaufgebaute Frauenkirche ruft ihr den ganzen unbewältigten, unbewältigbaren Komplex des Handelns ihrer Generation vor Augen, der Schuld, der Mitwisserschaft, des Mitläufertums, des Verschweigens und Verdrängens.
Wie in allen ihren so unvergleichlichen Aufzeichnungs- und Erinnerungsbüchern beweist Ilse Helbich auch in diesem Band ihre nüchterne, auf das Wesentliche gerichtete Eleganz des Schreibens. Daß diese Luzidität auch auf die Wahrheit abzielt, wird in dem Abschnitt über die verdrängten, verschwiegenen und entstellten Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegszeit keinen Leser unberührt lassen.

Ilse Helbich, geboren 1923, aufgewachsen in Wien, promovierte in Germanistik und war in Verlagen tätig. Als Publizistin und Übersetzerin arbeitete sie unter anderem über die Familie Wittgenstein. Sie schrieb zahlreiche Radio-Collagen, unter anderem für "Diagonal". Seit 1985 lebt sie im Kamptal und Wien. 2003 erschien ihr erster Roman, "Schwalbenschrift", 2004 die Erzählung "Die alten Tage".

Philosophie/Lebenskunst

Iris Radisch
Die letzten Dinge. Lebensendgespräche

Reinbek bei Hamburg 2015 (Rowohlt), 304 Seiten, 19,95 Euro, ISBN: 978-3498058036

Ändert sich die Sicht auf das durchlebte Zeitalter, wenn der Tod näher rückt? Wird das, was früher wichtig war, unwichtig? Wo hat man geirrt? Was hat man bewirken können - und was ist geblieben? Seit vielen Jahren führt ZEIT-Feuilletonchefin Iris Radisch Gespräche mit Schriftstellern und Philosophen im hohen Alter. Oft waren es Abschiedsgespräche, manchmal buchstäblich das letzte Interview. Der Lebensabend und seine Gestaltung ist in diesen Begegnungen immer präsent, ebenso wie die Rückschau auf Vergangenes und die Bedeutung des Alters für das eigene Schaffen. All diese Lebensendgespräche sind von einer ungewöhnlichen Offenheit und Unverstelltheit geprägt, und doch zieht jeder auf ganz eigene Weise Bilanz: Bei manchen überwiegt Wehmut, auch Bitterkeit, bei anderen Gelassenheit und Heiterkeit. Dieses Buch hält große Fragen und Antworten bereit, denn mit fortschreitendem Alter verschieben sich Perspektiven und Haltungen: Der Band versammelt siebzehn Interviews, in denen Iris Radisch mit bedeutenden Zeitzeugen feinsinnig und ehrlich über die "letzten Dinge" diskutiert. Zu den Interviewten zählen u.a. Amos Oz, Marcel Reich-Ranicki, Günter Grass, Martin Walser, Imre Kertész, Péter Nádas, Ilse Aichinger, Julien Green, Peter Rühmkorf, Antonio Tabucchi, Patrick Modiano, Ruth Klüger, George Tabori, Claude Simon, George Steiner, Sarah Kirsch und Friederike Mayröcker.

Iris Radisch, geboren 1959 in Berlin. Studium der Germanistik, Romanistik und Philosophie in Frankfurt am Main und Tübingen. Tätig als Literaturkritikerin; seit 1990 Literaturredakteurin der ZEIT, seit 2013 dort Leiterin des Feuilletons. Daneben Tätigkeit als Fernsehmoderatorin. 2008 wurde sie mit dem Medienpreis für Sprachkultur der Gesellschaft für deutsche Sprache ausgezeichnet. 2009 ernannte die französische Kulturministerin Iris Radisch zum "Chevalier des Arts et Lettres".

Pat Thane (Hrsg.)
Das Alter. Eine Kulturgeschichte

Darmstadt 2005 (Primus Verlag), 320 Seiten, 39,90 Euro, ISBN: 978-3896782700

Aus dem Englischen von Dirk Oetzmann und Horst M. Langer. Wurden die Alten in früheren Zeiten respektiert und blieben bis zum Tod bei ihren Familien? Ab wann war man überhaupt alt? Wie stand es mit der Sexualität im Alter? Diese und andere Fragen beantworten Pat Thane und andere Historiker und entwerfen so eine Mentalitäts- und Kulturgeschichte des Alters von der Antike bis heute. Über 250 Abbildungen zeigen dazu, wie alte Menschen in den verschiedenen Epochen in der Kunst dargestellt wurden und werden.

Pat Thane ist Professorin für Zeitgeschichte am Institute of Historical Research der Universität von London. Die Geschichte des Alters beschäftigt sie bereits seit längerem, u. a. veröffentlichte sie "Old Age in English History" (2000).

Soziologie/Politik

Heribert Prant Heribert Prant
Alt. Amen. Anfang.. Neue Denkanstöße

München 2013 (Süddeutsche Zeitung Edition), 176 Seiten, 14,90 Euro, ISBN: 978-3-86497-167-9

Kinder sind unsere Zukunft - das hört man in der Politik jeden Tag; aber: Auch die Alten sind "unsere Zukunft". Denn unsere Zukunft ist das Alter. Menschen, die ein Leben lang gerackert haben und es jetzt nicht mehr können, gelten als Infragestellung dessen, was für normal gehalten wird: Leistung, Fitness, Produktivität. Ein System aber, das nicht in der Lage ist, sich um die Alten zu kümmern, ist selber dement. Der Respekt vor den Kindern und der Respekt vor den Alten gehört zusammen. Gehört es nicht zu diesem Respekt, dass Alte auch in Ruhe alt, auch sehr alt, werden dürfen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich politische Leitartikel normalerweise kaum. An einigen wenigen Tagen im Jahr ist das anders: an Weihnachten, Ostern, an den großen Festtagen also. Heribert Prantl schreibt hier nicht über den politischen Betrieb, sondern über die großen Fragen des Lebens und Sterbens, des Glaubens und des Nichtglaubens.

Heribert Prantl (Jahrgang 1953) ist Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, Chef der innenpolitischen Redaktion, Honorarprofessor für Rechtswissenschaften an der juristischen Fakultät der Universität Bielefeld, politischer Publizist und gelernter Richter und Rechtsanwalt.

Prakt. Lebenshilfe/Ratgeber

George und Gisela/Florin Lowndes O'Neil
Der Lebenslauf. Lesen in der eigenen Biografie

Stuttgart 2014 (Verlag Freies Geistesleben), 462 Seiten, 32 Euro, ISBN: 978-3772511899

Das größte Wunder ist sicherlich der Mensch. Das Rätsel seiner Existenz vertieft sich noch, wenn der Blick über die räumliche Erscheinung hinaus das Zeitliche zu erfassen versucht. Was verbirgt sich hinter dem Leben mit seinen Turbulenzen, seinen Krisen und Beglückungen, seinen oft so schmerzhaften Umbrüchen? Liegen dem, was sich oft so chaotisch darbietet, doch Gesetzmäßigkeiten zugrunde? Und wenn ja, welcher Art sind sie? Wo haben sie ihren Ursprung?
Die Darstellungen reichen von der Schilderung, wie die himmlischen Hierarchien gliedernd und ordnend in den Lebenslauf hereinwirken, bis hin zu Bemerkungen über das Menschlich-Allzumenschliche, wie es immer wieder in Gemeinschaften zutage tritt.
Das Buch von George und Gisela O`Neil sowie Florin Lowndes erschließt die anthroposophischen Grundlagen der Biografiearbeit. Wie kann der Einzelne immer mehr Selbstgestalter seines eigenen Lebens werden? Es erweitert den Blick auf die Biografie des Menschen, es entstehen neue, fruchtbare Fragen für die eigene Entwicklung.

George O'Neil, 1906-1988, geboren in Saint Louis, Missouri, studierte Philosophie an der Columbia University. Eng befreundet mit Hemingway, Joyce und Pound. Aktive anthroposophische Arbeit in Amerika seit den vierziger Jahren. George O'Neil förderte viele Menschen und Gruppen im Studium der Anthroposophie und entwickelte eine Methode eines neuen lebendigen Denkens für die Praxis der Geisteswissenschaft. Zusammen leiteten George und Gisela O'Neil 14 Jahre die Arbeit des New Yorker Zweiges der Anthroposophischen Gesellschaft in Amerika. Hier richteten sie eine Ausbildung für anthroposophische Redner ein. Sie gaben zahlreiche Kurse zur Vertiefung der Anthroposophie und schrieben in den letzten elf Jahren ihres Lebens gemeinsam eine Reihe von Studien über anthroposophische Fragen.
Florin Lowndes, geboren 1938 in Rumänien. Studierte Malerei und Kunst-am-Bau an der Kunstakademie Bukarest; seit 1958 arbeitet er als Künstler (Malerei und Kunst am Bau). Lebte von 1970 bis 2000 in den Vereinigten Staaten. Seit 1974 intensives Studium der Anthroposophie bei George O'Neil (1906-1988), Verwalter und Herausgeber seines Nachlasses. Jahrelang Dozent an der State University of New York (Fächer: Interdisziplinäre Studien und Goethes Farbenlehre) und Waldorflehrer (Kunst und Kunstgeschichte). Seit 2000 lebt er in Deutschland, hält Seminare und schreibt Bücher zu den Themen: Herz-Denken, Herzchakra und Biographie

Philosophie/Lebenskunst

Jutta Voigt
Spätvorstellung. Von den Abenteuern des Älterwerdens

Berlin 2012 (Aufbau Verlag), 251 Seiten, 9,99 Euro, ISBN: 978-3351027520

Alter schützt vor Jugend nicht Die brillante Feuilletonistin Jutta Voigt zeigt uns, was es heißt, jung zu bleiben, während man älter wird. Sie erzählt von der tröstlichen und schmerzhaften Identifikation mit der Jugend, die den Bogen des Lebens bis zum Zerreißen spannt. Berichtet wird "Aus dem Leben einer älteren Dame": "Wenn ich ein Café betrete, verstummt kein Gespräch, ist kein Auge auf mich gerichtet. Ich finde das in Ordnung. Ich habe es lange genug gehabt, das Strammstehen vor meinem Dekolleté, die Hab-Acht-Stellung beim Klacken meiner hohen Absätze, das ehrfürchtige Verstummen vor einem Lächeln." Es geht um eine Frau, die ihre Waschmaschine mehr liebt als ihren Mann. Um einen Striptease am Totenbett. Und um einen, der seine junge Geliebte für eine Gleichaltrige verlässt, weil sie denselben Subtext in der Seele hat. Die Spätvorstellung einer Generation, der die ewige Jugend zur Pflicht geworden ist.

Jutta Voigt, geboren in Berlin; Studium der Philosophie an der Humboldt-Universität; Redakteurin, Filmkritikerin, Reporterin, Essayistin und Kolumnistin bei den Wochenzeitungen "Sonntag", "Freitag", "Wochenpost" und "Zeit"; 2000 Theodor-Wolff-Preis

Hanne/Angela Joschko Huntemann
Liebe auf den späten Blick. Partnersuche 60+

Reinbek bei Hamburg 2014 (Rowohlt-Taschenbuch), 320 Seiten, 9,99 Euro, ISBN: 978-3-499-63041-5

Anne ist fest entschlossen: sie will noch einmal lieben und geliebt werden, sich mit Haut und Haaren auf einen Mann einlassen. Sie ist attraktiv, klug, witzig und geht online auf Suche. Und das mit 80! Klopfenden Herzens trifft sie mehrere Männer, vor allem Max, 85.
Jürgen ist Witwer und träumt von einer liebevollen Partnerin. Als er Marina begegnet, ist er sofort begeistert und staunt ungläubig, dass "der alte Esel in Flammen" steht. Sechs Monate später werden sie zusammenziehen. Jürgen ist 62, Marina ein Jahr älter.
"Ich hab dich so lieb gewonnen", strahlt Hannelore, wenn sie ihren Lothar anschaut. Die 70jährige Witwe wollte endlich wieder bei einem Partner Geborgenheit spüren. Beide haben sich über eine Anzeige kennengelernt und können ihr Glück noch immer nicht fassen.
Liebesgeschichten jenseits eines Alters von 60 Jahren sind heute keine Ausnahme. Über 6 Mio Ältere leben allein, wollen das aber nicht unbedingt. Immer mehr von ihnen nehmen ihr Glück selbst in die Hand, zunehmend oft in Online-Börsen. Aber wie findet der Single-Rentner sich dort zurecht? Wie funktionieren Flirt- und Dating-Kurse für Senioren und wie traut man sich daran? Das Buch erzählt von Männern und Frauen zwischen 60 und 80, die noch einmal die Liebe suchen. Es geht um unterschiedliche Möglichkeiten der Partnersuche, um Chancen und Hoffnungen, um ungeahnte Erfahrungen, um Berührungsängste, Mut und Geduld, um Glück und Hingabe und darum, wie wichtig die innere Einstellung ist, um der Liebe nicht im Weg zu stehen. Das Buch ist ein lebendiger Ratgeber für alle Älteren, die es noch einmal wagen wollen, sich zu verlieben, aber nicht genau wissen, wie sie das anstellen sollen. Mit vielen Mut machenden Geschichten und O-Tönen.

Zeitgeschichte

Paul Auster
Winterjournal.

Reinbek bei Hamburg 2013 (Rowohlt), 256 Seiten, 19,95 Euro, ISBN: 9783498000875

Aus dem Englischen von Werner Schmitz. Paul Auster spricht aus, was seine Hand, seine Füße, seine Glieder im Verlauf eines langen Lebens getan haben. Er lässt seine Liebesbeziehungen Revue passieren: viele zunächst und dann - dreißig Jahre lang - nur noch die eine, große Liebe. Die Kinder, die Abtreibungen, die Krankheiten. Er spricht über die Begegnungen mit dem Tod: ein Sturz als Junge, eine Herzattacke, ein Autounfall. Über die Körperlichkeit auch, die unendliche Empfindlichkeit jenes physischen Systems, das uns am Leben erhält und über das wir so wenig nachdenken, solange es funktioniert. Alkohol, Zigarillos, Süchte - all die Versuchungen, dieses System auszutricksen, sich dem Verfall, dem Alltag zu entziehen.

Paul Auster, 1947 als Nachkomme eingewanderter Juden aus Österreich in Newark, New Jersey, geboren, studierte Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University New York und fuhr danach als Matrose auf einem Öltanker zur See. 1971 - 74 lebte er in Frankreich, hauptsächlich in Paris. Nach seiner Rückkehr in die USA nahm er einen Lehrauftrag an der Columbia University an und arbeitete zusätzlich als Übersetzer französischer Autoren sowie als Herausgeber französischer Literatur in amerikanischen Verlagen. Heute lebt Auster in Brooklyn. Er ist mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt verheiratet und hat zwei Kinder.

Imre Kertész
Letzte Einkehr. Tagebücher 2001 - 2009 (mit einem Prosafragment)

Reinbek bei Hamburg 2013 (Rowohlt Verlag), 464 Seiten, 24,95 Euro, ISBN: 978-3498035624

Im Gegensatz zu seinem berühmten "Galeerentagebuch", das eine Komposition aus den jahrzehntelangen Aufzeichnungen während der inneren Emigration im sozialistischen Ungarn darstellt, handelt es sich bei den hier vorgelegten späten Tagebüchern von Imre Kertész um ein unbearbeitetes, ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit gedachtes "journal intime" von überraschender, oft verstörender Offenheit. Es umfaßt die Jahre seiner äußeren Emigration - die Loslösung von Ungarn, dessen postsozialistische Entwicklung ihn immer stärker an präfaschistische Zeiten erinnert, und die Niederlassung in der Wahlheimat Berlin, wo ihn 2002 die "Glückskatastrophe" des Nobelpreises ereilt.
Das damit verbundene "rare Geschenk guten Lebens" weiß er nach Jahrzehnten äußerster Einschränkung zwar durchaus zu genießen - exklusive Restaurants in Berlin, Paris und New York oder die Luxushotels von Gstaad und Madeira -, doch stärker sind die Aufzeichnungen ab jetzt von den Klagen über die "erwürgenden Anforderungen des Ruhms" und die dadurch einsetzende Selbstentfremdung grundiert, über das Nachlassen der Schaffenskraft und den "unerträglichen Terror des Alters". Ein "Trivialitäten-Tagebuch" nennt er sein Diarium schließlich.
Von der gewohnten Schärfe seiner zeitdiagnostischen und ästhetischen Reflexionen, der Prägnanz der Momentaufnahmen haben seine Tagebücher indes nichts verloren. Leitmotiv bleibt das Schreiben, das Ringen um die Gestaltung der in diesen Jahren entstehenden Prosawerke "Liquidation" und "Dossier K." sowie des geplanten "Sonderberg"-Romans. Schreiben ist für ihn die einzige Legitimation seines Lebens. Als Krankheit und Schmerzen dominieren, macht er sich mit unerhörter Kühnheit zum gnadenlosen Chronisten des eigenen Verfalls "im Vorzimmer des Todes".

Der Autor Imre Kertész, wurde 1929 in Budapest geboren, 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. Nach Kriegsende arbeitete er zunächst als Journalist, ab 1953 dann als freier Schriftsteller und Übersetzer in Budapest. Mit seinem Roman eines Schicksallosen, 1975 in Ungarn veröffentlicht, gelangte er nach der europäischen Wende zu weltweitem Ruhm. 2002 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Imre Kertész lebt in Budapest und Berlin.

Imre Kertész
Letzte Einkehr. Ein Tagebuchroman

Reinbek 2015 (Rowohlt Taschenbuch), 348 Seiten, 10,99 Euro, ISBN: 978-3498035624

Aus dem Ungarischen von Kristin Schwamm.
Ein Tagebuch? Ein Roman! Von der 'Glückskatastrophe' des Nobelpreises bis ins 'Vorzimmer des Todes' reicht der Bogen dieses Tagebuchromans. Das Glück eines neuen Lebens in Berlin, Reisen, weltweiter Ruhm auf der einen Seite, auf der anderen schmerzliche Selbstentfremdung durch die neue öffentliche Rolle, Krankheit und Verfall: Letzte Einkehr ist die gnadenlos dargebotene 'Geschichte eines Erkaltens', durch die sich wie ein roter Faden der Plan zu einem letzten, radikal persönlichen Buch mit dem Titel Letzte Einkehr zieht.

Der Autor Imre Kertész, wurde 1929 in Budapest geboren, 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. Nach Kriegsende arbeitete er zunächst als Journalist, ab 1953 dann als freier Schriftsteller und Übersetzer in Budapest. Mit seinem Roman eines Schicksallosen, 1975 in Ungarn veröffentlicht, gelangte er nach der europäischen Wende zu weltweitem Ruhm. 2002 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Imre Kertész lebt in Budapest und Berlin.

Gesundheit/Wellness

Trudi von Fellenberg-Bitzi
Liliane Juchli. Ein Leben für die Pflege

Stuttgart 2013 (Georg Thieme Verlag), 232 Seiten, 24,99 Euro, ISBN: 978-3131730213

Das Thema Pflege nimmt in unserer alternden Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert ein. Zu den herausragenden Persönlichkeiten, die die Pflege in den vergangenen 60 Jahren maßgeblich mit geprägt und weiterentwickelt haben, gehört die Schweizer Ordensschwester Liliane Juchli. Zu ihrem 80. Geburtstag und dem 40jährigen Jubiläum des von ihr begründeten Pflege-Standardwerkes ist jetzt ihre Biografie erschienen. Nicht nur pflegebedürftige Menschen, sondern auch Generationen von Pflegefachkräften haben von der Erfahrung und dem herausragenden persönlichen Engagement Liliane Juchlis profitiert. Bis heute setzt sich die ausgebildete Kranken- und Schulschwester für die Ausbildung des Pflegenachwuchses ein. Daneben ist sie seelsorgerisch und therapeutisch tätig und leistet Menschen in schwierigen Lebenssituationen Beistand.

Die Autorin Trudi von Fellenberg-Bitzi, Journalistin und Autorin, geboren und aufgewachsen in Zug, war während der Siebziger- und Achtzigerjahre als Flugbereiterin unterwegs. Nach ihrer Medienausbildung war sie verantwortliche Redakteurin von "Crosstalk", dem Inflight Magazin von Crossair, Ressortleiterin beim Frauenmagazin "Annabelle" und Chefredakteurin der "SAirGroup-News". Sie ist Trägerin von Förderpreisen der Erziehungsdirektion des Kantons Zug sowie - für ihre Kinderstunden im Schweizer Radio DRS - der SRG Zentralschweiz.

Medizin/Psychologie

Mathias Wais
Erzähl mir von der Zukunft, Opa. Über Möglichkeiten, Unmöglichkeiten und Überraschungen des Alters

Esslingen 2013 (Gesundheitsplege initiativ), 213 Seiten, 14,50 Euro, ISBN: 978-3932161827

Die Studentin Emily erzählt ihrem Opa Theo von 12 Frauen und Männern zwischen 50 und 65 Jahren, die sie für ihre Abschlussarbeit in Gerontopsychologie interviewt hat. Der Opa wird immer dann unruhig und beginnt um den Couchtisch zu laufen, wenn die Zukunftsentwürfe der alternden Menschen allzu berechenbar erscheinen. Mathias Wais hat sich dem oftmals etwas mühsam behandelten Thema des Alterns mit konkreter Phantasie angenommen, die durch erzählerische Leichte einfühlsam und zugleich humorvoll bleibt. Er hat seinen beiden Protagonisten in diesem ermutigenden Buch Dialoge in den Mund gelegt, die sich den Möglichkeiten, Unmöglichkeiten und Überraschungen des Alters zuwenden.

Mathias Wais, geboren 1948, studierte Psychologie, Judaistik und Tibetologie in München, Tübingen und Haifa und schloss als Diplompsychologe ab. Eine psychoanalytische Ausbildung und Forschungen folgten. Er leitete bis 2012 die Dortmunder Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und ist Autor zahlreicher Sachbücher. Ausgedehnte Vortrags- und Seminartätigkeit

Prakt. Lebenshilfe/Ratgeber

Bascha Mika Bascha Mika
Mutprobe. Frauen und das höllische Spiel mit dem Älterwerden

München 2014 (C. Bertelsmann), 320 Seiten, 17,99 Euro, ISBN: 978-3-570-10170-4

Die neue provokante Streitschrift der Bestsellerautorin zum Thema Frauen und Älterwerden Älterwerden - gibt es eine Frau, die das nicht kümmert? Frauen trifft die zweite Lebenshälfte besonders hart - ungleich schärfer als Männer. Denn mit zunehmenden Jahren wird ihnen alles abgesprochen: Ihre erotische Ausstrahlung, die Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit, die Chancen in der Arbeitswelt. Wo sich bereits 20-Jährige vor Falten fürchten und der 30. Geburtstag schmerzhaft erlebt wird, spüren 40- und 50-Jährige erst recht den kränkenden Blick und die gesellschaftliche Abwertung. Es ist ein tückisches Spiel, das mit Frauen betrieben wird. Wie unsere Jahre zählen, hängt davon ab, wer wir sind - Mann oder Frau. Warum sollten sich Frauen das länger gefallen lassen? Widerstand ist gefragt!

Bascha Mika lässt Frauen über ihre Erfahrungen erzählen. Scharf analysiert sie die Doppelmoral hinsichtlich weiblichen und männlichen Älterwerdens. Ihre Botschaft: Frauen haben in jeder Lebensphase das Recht auf Glück und Selbstbestimmung. Nehmen wir es uns!

Philosophie/Lebenskunst

Wilhelm Schmid
Gelassenheit. Was wir gewinnen, wenn wir älter werden

Berlin 2014 (Insel Verlag), 118 Seiten, 8 Euro, ISBN: 978-3-458-17600-8

Gelassenheit ist in jeder Lebensphase ein Gewinn, insbesondere aber beim Älterwerden. Dieses Buch zeigt in zehn Schritten den Weg zu ihr auf. Es scheint an ihr zu fehlen: Die fortschreitende Moderne wühlt die Menschen dermaßen auf und wirbelt ihr Leben so sehr durcheinander, daß die Sehnsucht nach Gelassenheit wächst. Sie war ein großer Begriff seit der Antike. In der Moderne aber geriet sie in Vergessenheit. Sie wurde zum Opfer des modernen Aktivismus, des wissenschaftlich-technischen Optimismus. Die Zurückhaltung, die sie verkörperte, galt nicht als Tugend. Eine bestimmte Lebenszeit schien lange wie geschaffen für die Gelassenheit: Das Älterwerden. Aber auch daraus ist eine stürmische Zeit geworden, die Gelassenheit will nicht mehr so ohne Weiteres gelingen. Wie ist sie wiederzugewinnen? Kann die älter werdende Gesellschaft eine gelassenere sein?
Der Berliner Lebenskunstphilosoph und Bestsellerautor präsentiert ein Buch, in dem es ihm darum geht, Gelassenheit nicht einfach nur zu proklamieren, sondern lebenspraktisch zu zeigen, wie sie erreicht werden kann. Ein Buch für die Zeit, in der Gelassenheit zur begehrten Ressource wird, sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft.

Wilhelm Schmid, geboren 1953, lebt als freier Philosoph in Berlin und lehrt Philosophie als außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt.

Medizin/Psychologie

Thomas, Noah Artner, Rosita A. Ernst (Hrsg.) Friedrich-Hett (Hrsg.)
Systemisches Arbeiten mit älteren Menschen. Konzepte und Praxis für Beratung und Psychotherapie. Mit einem Vorwort von Tom Levold

Bielefeld 2007 (Carl-Auer-Verlag), 287 Seiten, 29,95 Euro, ISBN: 978-3-8497-0043-0

Im Unterschied zu früher nehmen ältere Menschen heute häufiger und mit größerer Selbstverständlichkeit Therapie und Beratung für sich in Anspruch. Naturgemäß stehen hier andere Themen im Vordergrund als bei jüngeren Ratsuchenden. Die Beiträge dieses Bandes basieren auf der Erkenntnis, dass Lernen, Wachstum und Veränderung auch noch im Alter möglich sind. Die Anzahl der zukünftigen Lebensoptionen mag geringer sein, die eigene Vergangenheit und die Vielfalt von Geschichte(n), die man zu erzählen hat, werden dagegen größer und reichhaltiger. Die Konstruktion der eigenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft entscheidet darüber, ob man mit Bitterkeit und Resignation oder mit Gefühlen der Freude und Zufriedenheit auf die eigene Biografie zurückschaut. Therapie und Beratung können dann helfen, Kraft für die auch jetzt noch anstehenden Lebensaufgaben zu gewinnen - bis hin zu einem guten und würdevollen Abschied von allem, was das Leben bereitgehalten hat. Der Praxisteil des Buches macht mit vielen Fallbeispielen deutlich, dass der Respekt vor der Biografie und das Interesse an dem, was ältere und alte Menschen in die Therapie einbringen können, für eine erfolgreiche Arbeit wichtiger sind als jeder lösungsorientierte Heilungseifer.

Herausgeber: Thomas Friedrich-Hett, Diplom-Psychologe und Krankenpfleger; Lehrtherapeut für systemische Therapie und Beratung (viisa, SG); Lehrtätigkeit für viisa Marburg sowie Tätigkeiten in Supervison, Jugend- und Familienhilfe und in freier Privatpraxis in Essen. Noah Artner, M. A.; Radio- und Fernsehjournalist, systemischer Therapeut und Coach, Psychotherapeut (Systemische Familientherapie), Hypnotherapeut, integrativer Supervisor; in eigener Praxis tätig.
Rosita A. Ernst, Dr. phil.; Klinische und Gesundheitspsychologin, Gerontopsychologin, Systemische Familientherapeutin (ÖAS), Psychotherapeutin (Systemische Familientherapie); in einer Gemeinschaftspraxis tätig.

Medizin/Psychologie

Thomas Friedrich-Hett (Hrsg.)
Positives Altern. Neue Perspektiven für Beratung und Therapie älterer Menschen

Bielefeld 2007 (transcript), 226 Seiten, 25,80 Euro, ISBN: 978-3-89942-799-8

Die Bereitschaft von Psychotherapeuten und Beratern, ihr Angebot für Senioren zu öffnen, nimmt seit einigen Jahren in erfreulichem Ausmaß zu. Das spiegelt sich auch in der wachsenden Anzahl an Publikationen zu diesem Thema. Der von Thomas Friedrich-Hett herausgegebene Sammelband ist ein Beispiel dafür. Er stellt eine Art Werkstattbericht dar, in dem verschiedene Ansätze aus unterschiedlichen Praxisfeldern der Beratung älterer Menschen dargestellt werden. Das ganze wird mit einem systemisch-konstruktivistischen Modell der Beratung außerhalb des psychotherapeutischen Sektors verknüpft. Die Verbreitung dieses Ansatzes ist das Anliegen der von Klaus G. Geissler herausgegebenen Schriftenreihe DiskurSys, in dem der vorliegende Band erschienen ist.

Thomas Friedrich-Hett (Dipl.-Psych. und exam. Krankenpfleger) ist seit über 20 Jahren in psychiatrischen Kontexten tätig. Er ist Lehrtherapeut für systemische Therapie und Beratung (viisa, SG) und arbeitet freiberuflich als Referent, Berater und Supervisor.

Soziologie/Politik

Reimer Gronemeyer
Altwerden ist das Schönste und Dümmste, was einem passieren kann.

Hamburg 2014 (edition Körber-Stiftung,), 216 Seiten, 18 Euro, ISBN: 978-3-89684-160-5

Früher wußten die Menschen ganz selbstverständlich, wie Altwerden aussah, was man tat und was man ließ. Heute erleben die Alten neue Freiheiten und neue Zwänge: Gesund muß man bleiben, leistungsfähig, selbstständig. Dafür darf man auch mit 80 noch reisen, Sex haben, mit den Freunden skypen. Und was, wenn man des "Immer mehr" mal müde wird? Die Leistungsgesellschaft hat längst auch die erfasst, die glaubten, nun nichts mehr leisten zu müssen. Und zugleich sortiert sie die aus, die nicht in das Bild des dauerfröhlichen Silver-Agers passen. Der Verlust von Autarkie und Konsumfreude wird mit Nichtachtung bestraft oder in Pflegeheimen wegorganisiert. Ist das Alter also doch ein Schreckbild - rette sich, wer kann?
Ein bißchen Paradies und etwas Hölle, findet Reimer Gronemeyer. Vor allem aber: ein immer noch Unterwegssein. Und darum stellt er mit wissenschaftlicher Expertise und aus eigener Erfahrung eine entscheidende Frage: Wie wollen wir alt werden in einer Gesellschaft, die keine Vorbilder für ein acht oder neun Jahrzehnte währendes Leben hat? Klug und persönlich berichtet er davon, wie wir lernen können, einen eigenen Umgang mit der großen Aufgabe Alter zu finden: eine Orientierungshilfe für alle, die mal so richtig alt werden wollen.

Reimer Gronemeyer ist Theologe und Soziologe. Er studierte in Hamburg, Heidelberg und Edinburgh und promovierte in Theologie und Soziologie. Seit 1975 hat Gronemeyer eine Professur für Soziologie an der Universität Gießen inne. Zahlreiche Forschungsprojekte führten ihn nach Afrika und Osteuropa. In seinen Veröffentlichungen (zuletzt: "In Ruhe sterben", Pattloch, 2014), als Mitherausgeber von Fachzeitschriften und in Stiftungsgremien beschäftigt er sich intensiv mit Fragen der alternden Gesellschaft, Demenz und Sterbebegleitung.

Weitere Literatur in den Rubriken:

Prakt. Lebenshilfe/Ratgeber

Philosophie/Lebenskunst

Soziologie/Politik

Medizin/Psychologie

Gesundheit/Wellness

Zeitgeschichte

Sterben und Tod

Romane und Prosa

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