Klassische und neuere Zitate zum Alter

Älter werde ich stets, nimmer doch lerne ich aus. (Solon)

Ursprünglich wurden dem Menschen 30 Lebensjahre zugestanden. Mit dieser kurzen Spanne war der Mensch aber unzufrieden, und so nahmen die Götter dem Esel, dem Hund und dem Affen einige Jahre ab und gaben sie dem Menschen. Der Mensch hat nun die ersten 30 Jahre seines Lebens zu eigen, die nächsten 18 Jahre muß er sich plagen wie ein Esel. Zwischen dem 48. und 60. Lebensjahr liegt er dann in der Ecke, knurrend wie ein alter Hund, und wenn es hoch kommt, sind ihm noch weitere 10 Jahre beschieden, in denen er närrisch ist wie ein Affe. (Fabeldichter Aesop)

Was man in seiner Jugend erwirbt, dient im Kampf gegen das Elend des hohen Alters. Und wenn du willst, daß dein Alter sich aus Weisheit nähre, so sorge dafür, solange du jung bist, daß es in deinem Alter nicht an Nahrung mangelt. (Leonardo da Vinci, Codex Atlanticus 109)

Die Jugend ist die Zeit, Weisheit zu erforschen. Das Alter ist die Zeit, sie anzuwenden. (Jean-Jacques Rousseau, Rêveries du Promeneur solitaire)

War es immer wie jetzt? Ich kann das Geschlecht nicht begreifen. Nur das Alter ist jung, ach! und die Jugend ist alt. (Friedrich Schiller, Epigramme)

Älter werden heißt: selbst ein neues Geschäft antreten; alle Verhältnisse verändern sich, und man muß entweder zu handeln ganz aufhören oder mit Willen und Bewußtsein das neue Rollenfach übernehmen. (Wolfgang Goethe, Maximen und Reflexionen 259)

In der Jugend bald die Vorzüge des Alters gewahr zu werden, im Alter die Vorzüge der Jugend zu erhalten, ist beides nur ein Glück. (Johann Wolfgang Goethe, Maximen und Reflexionen)

Das Alter ist ein höflich Mann:
Einmal übers andere klopft er an;
Aber nun sagt niemand: Herein!
Und vor der Türe will er nicht sein.
Da klinkt er auf, tritt ein so schnell,
Und nun heißt, er sei ein grober Gesell.
(Wolfgang Goethe, Das Alter, 1814)

Das Alter ist nicht trübe, weil darin unsere Freuden, sondern weil darin unsere Hoffnungen aufhören. (Jean Paul)

Die ersten vierzig Jahre unseres Lebens liefern den Text, die folgenden dreißig sind Kommentar dazu, der uns den wahren Sinn und Zusammenhang des Textes, nebst der Moral und allen Feinheiten desselben, erst recht verstehn lehrt. (Arthur Schopenhauer, Parerga)

Nur wer alt wird, erhält eine vollständige und angemessene Vorstellung vom Leben, indem er es in seiner Ganzheit und seinem natürlichen Verlauf, besonders aber nicht bloß wie die übrigen von der Eingangs- sondern auch von der Ausgangsseite übersieht. (Arthur Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit)

Vom Standpunkt der Jugend aus gesehn, ist das Leben eine unendlich lange Zukunft; vom Standpunkt des Alters aus, eine sehr kurze Vergangenheit... Man muß alt geworden sein, also lange gelebt haben, um zu erkennen, wie kurz das Leben ist. (Arthur Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit)

Das Alter ist ein natürlicher menschlicher Zustand, dem Gott seine eigenen Gefühle geschenkt hat, die ihre eigenen Freuden in sich tragen. (Wilhelm von Humboldt, Briefe an eine Freundin)

Ich bin in meiner Jugend mit alten Leuten umgegangen und gehe in meinem Alter mit jungen um. Das ist die Weise, wie der Mensch möglichst behaglich durch die Welt kommen mag. (Wilhelm Raabe, Aphorismen)

Das Älterwerden ist weniger ein Zustand als eine Aufgabe. Löst man jene, so ist das Alter mindestens ebenso schön wie die Jugend, und der Tod ist dann kein Ende, sondern Frucht. (Eugen Diederichs, Nach mehr als sechzigjähriger Erdenwanderung)

Das Alter verklärt oder versteinert. (Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen)

Im Alter lernt man vieles, was man in der Jugend nicht begreifen wollte. (Karl Julius Weber, Demokritos)

Je mehr ich lerne, desto mehr sehe ich ein, wie nur eine gute Grundlage in der Jugend das Glück der späteren Tage hervorrufen kann. (Gottfried Keller, Briefe)

Es schadet niemals, sich für alle Lebensabschnitte ein Stück Jugend zu bewahren, und es ist immer besser, im Alter jugendfrisch zu sein, als greisenhaft in jungen Tagen. (Wilhelm Heinrich Riehl, Religiöse Studien eines Weltkindes)

Das Leben ist wie ein geschicktes Zahnausziehen. Man denkt immer, das Eigentliche sollte erst kommen, bis man plötzlich sieht, das alles vorbei ist. (Otto von Bismark)

Ich glaube an das Alter, lieber Freund, Arbeiten und Altwerden, das ist es, was das Leben von uns erwartet. Und dann eines Tages alt sein und nocht lange nicht alles verstehen, nein, aber anfangen, aber lieben, aber ahnen, aber zusammenhängen mit Fernem und Unsagbarem, bis in die Sterne hinein. (Rainer Maria Rilke an Arthur Holitscher, 13.Dez. 1905)

Das Alter ist für mich kein Kerker, sondern ein Balkon, von dem man zugleich weiter und genauer sieht. (Marie Luise Kaschnitz,in: "Orte" 1973)

Die verschiedenen Altersstufen der Menschen halten einander für verschiedene Rassen. Alte haben gewöhnlich vergessen, daß sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, daß sie alt sind, und Junge begreifen nie, dass sie alt werden können. (Kurt Tucholsky)

Alte Menschen sind ja nicht alle gleich, wahrscheinlich sind sie das sogar noch weniger als irgendeine andere Altersgruppe: denn ihr langes Leben hat sie zu Individualisten gemacht. Eines unserer augenblicklichen Probleme ist, daß die Gesellschaft sich weigert, das zu verstehen, und alle alten Leuten als 'gleich' behandelt. (Lily Pincus, Das hohe Alter, München: Piper 1992: 56-57)

Solange man neugierig ist, trotzt man dem Alter. (L. Lencester)

Mit 40 fängt man an, das Wertvolle zu suchen, und mit 50 kann man anfangen, es zu finden. (Thornton Wilder)

Die Altersweisheit gibt es nicht. Wenn man altert, wird man nicht weise, sondern nur vorsichtig. (Ernest Hemingway)

Altern ist eine ungute Gewohnheit, die ein beschäftigter Mensch gar nicht erst aufkommen läßt. (André Maurois)

Nicht die Jahre in unserem Leben zählen, sondern das Leben in unseren Jahren. (Adlai E. Stevenson)

Das Geheimnis eines schönen Alters ist der würdige Umgang mit der Einsamkeit. (Gabriel Garcia Marquez)

Moderne Menschen haben nicht gelernt, das Alter zu lieben, sondern sie haben erfolgreich gelernt, bis ins höhere Lebensalter jung zu bleiben. (F. Höpflinger, Altersforscher)

Es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie man alt wird. (Ursula Lehr, Gerontologin)

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Neue Perspektiven für Beratung und Therapie älterer Menschen



Thomas Friedrich-Hett (Hg.), Positives Altern. Neue Perspektiven für Beratung und Therapie älterer Menschen, Oktober 2007, 230 Seiten, kart., 23,80 Euro ISBN: 978-3-89942-799-8

Ältere Menschen sind in Beratung und Psychotherapie deutlich unterrepräsentiert. Zurückzuführen ist dies weniger auf deren Vorbehalte als vielmehr auf Berührungsängste von Beratern und Therapeuten.

Mit der Perspektive des "Positiven Alterns" lädt dieser Band zu einer Rekonstruktion unserer Altersbilder ein. Ausgehend von einem systemischen Ansatz werden Grundelemente der beraterischen und therapeutischen Arbeit mit älteren Menschen formuliert und in ergänzenden Beiträgen praxisnah dargestellt. Themen sind dabei u.a. Partnerschaftsberatung im Alter, Beratung homosexueller Senioren, Schreibgruppen und erlebnistherapeutische Methoden, Empowerment-Coaching sowie feministische Seelsorge.

Thomas Friedrich-Hett (Dipl.-Psych. und exam. Krankenpfleger) ist seit über 20 Jahren in psychiatrischen Kontexten tätig. Er ist Lehrtherapeut für systemische Therapie und Beratung (viisa, SG) und arbeitet freiberuflich als Referent, Berater und Supervisor. Webseite:

http://www.mics.de


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