Romane und Prosa



Camille De Peretti
Wir werden zusammen älter. Roman

Reinbek bei Hamburg 2011 (Rowohlt), 288 Seiten, 19,95 Euro, ISBN: 9783498053079

Am Sonntag werden die Mütter und Väter in der Seniorenresidenz Bégonias in Paris von ihren Söhnen und Töchtern besucht - ein Kosmos voller Überraschungen. Die Alten sind eine unschlagbare Truppe mit fantastischen Ideen, stets zuckersüß und bitterböse. Thérèse findet die Liebe ihres Lebens, spät, aber umso heftiger. Der selbsternannte Kapitän Dreyfus gibt Madame Alma und ihren Freundinnen Anweisungen, wie sie sich an Bord der Residenz zu verhalten haben - bis er durch ein Loch im Gartenzaun entflieht. Der Sohn bemerkt es nicht, er küsst gerade die Pflegerin. Nebenan weint eine Krankenschwester, denn sie erwartet ein Kind von einem Schwarzen, und ihre Eltern sind entsetzt. Die Alten helfen ihr, sich zu entscheiden. De Peretti blickt in jedes der 64 Zimmer der Residenz, als hätte man die Fassade weggenommen. Mit sprühendem Humor und großer literarischer Leichtigkeit schreibt die 29jährige Autorin über Menschen, die gemeinsam alt werden und hartnäckig ihre eigenen Vorstellungen von Glück verwirklichen.

John Updike
Die Tränen meines Vaters. Erzählungen

Reinbek 2011 (Rowohlt), 367 Seiten, 19,90 Euro, ISBN: 3-498-06889-X

Aus dem Englischen von Maria Carlsson. Es ist leicht, Menschen in der Erinnerung zu lieben", schreibt John Updike in seinen nachgelassenen Erzählungen. Und er tut es, er blickt zurück, will die verblassenden Bilder so zärtlich, aber auch so genau wie möglich beschreiben die Großeltern, die musische Mutter mit ihren jähen Zornesausbrüchen, den lehrenden Vater, die eigenen Kinder und Enkel. Und natürlich die Frauen, immer die Frauen: Ehe, Ehekrisen, Ehebruch. Jemand liest im Regen eine Nachbarin auf, bringt sie heim. Unwetter, Stromausfall. Bald sind beide nackt. Dann kommt das Licht wieder, sie ziehen sich peinlich berührt an und verabschieden sich, als sei nichts gewesen. Es war ja auch nichts. Und doch bleibt ein Echo im Hallraum der Erinnerung. Von der Weltwirtschaftskrise der 30er bis zu den Nachwehen des 11. September, vom ländlichen Alton bis ins ferne Indien spannt sich der Bogen eines ganzen Menschenlebens.

Nicholas Drayson
Kleine Vogelkunde Ostafrikas. Roman

Reinbek 2010 (Rowohlt TB), 288 Seiten, 8,95 Euro, ISBN: 349924814X

Deutsch von Sabine Maier-Längsfeld mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Abbildungen. Mr. Malik ist ein warmherziger, schüchterner Mann mit einem großen Geheimnis: Er ist bis über beide Ohren verliebt in Rose, die Leiterin der örtlichen Gruppe von Vogelbeobachtern ist. Während er noch überlegt, wie er die Dame seines Herzens als Begleiterin zum jährlichen Nairobi Hunt Ball gewinnen kann, trifft der charmante Draufgänger Harry Kahn in der Stadt ein. Auch er hat ein Auge auf Rose geworfen und möchte sie ebenfalls zum Ball einladen. Da schreiten die Gentlemen aus Mr. Maliks Club ein und schlagen den beiden Rivalen eine Wette vor. Wer von beiden die meisten Vögel innerhalb einer Woche entdeckt, darf Rose einladen.

Brigitte Halenta
Die Breite der Zeit. Roman

Berlin 2007 (Orlanda Frauenverlag), 287 Seiten, 19,50 Euro, ISBN: 3936937494

Ist das Leben nach 70 noch lebenswert? Und ob! Henriette, die Heldin dieses Romans nimmt sich das Recht, im Alter endlich nur noch ihren eigenen Lebensvorstellungen zu folgen. Behutsam schält sie sich aus dem Kokon ihres alten Lebens heraus, zieht in die Großstadt und kommt ihrem künstlerischen Talent auf die Spur. Und da geschieht es: Im Alter von 74 verliebt sich Henriette zum zweiten Mal in ihrem Leben. Mit dem Galeristen Carl erlebt sie eine späte Liebe, die die Zeit außer Kraft setzt. Es entspinnt sich eine Liebesgeschichte, die nur so wunderbar sein kann, weil die beiden Menschen, die sich hier begegnen, auf über 70 Jahre Lebenserfahrung zurückblicken können. Die Autorin Brigitte Halenta, Jahrgang 1937, ist Lehrerin und Psychotherapeutin in eigener Praxis. Seit einigen Jahren arbeitet sie als Drehbuchautorin. 2000 erhielt sie für ihr Drehbuch "Lavendel ist blau" einen Preis des Landes Schleswig-Holstein. Die Autorin lebt in Lübeck.

Barbara Bronnen
Am Ende ein Anfang. Roman

München 2008 (Piper), 168 Seiten, 8,- Euro, ISBN: 3492250319

Vor über 30 Jahren waren sie ein Paar: Die Fotografin Charlotte und der ehemalige Verlagsleiter Johannes begegnen sich zufällig wieder. Inzwischen beide um die Siebzig, beginnen sie, sich Briefe zu schreiben. Tastend und zögerlich wächst die Hoffnung, aus der alten eine neue Liebe entstehen zu lassen - Ein mutiges und sensibles Buch über das späte Glück im Alter. Barbara Bronnen, Autorin von Romanen, Erzählungen, Sachbüchern, Hörspielen und Dokumentationen, lebt in München - in der Nähe des Alten nördlichen Friedhofs.

Dorothea Razumovsky
Letzte Liebe. Roman

Frankfurt/Main 2009 (Weissbooks), 150 Seiten, 18,80 Euro, ISBN: 3-940888-44-3

"Jetzt reicht es!", sagt sich die alte Dame, die genug hat von den Sticheleien ihrer Stieftochter, und mietet sich in einem Seniorenstift ein: um frei zu sein, um tun und lassen zu können, was sie für richtig hält. Mit Witz, Wagemut und unstillbarem Erfahrungshunger taucht sie ein in ein neues Leben mit neuen Freunden und Verehrern, begleitet von ihrem Hund Cora und ihrem Laptop. Und entdeckt, daß es, auch für sie, noch Liebe gibt - und daß es nie zu spät ist, zu sich selber zu kommen. Letzte Liebe erzählt von einer Junggebliebenen, die sich mit einer Mischung aus List und Neugier in jeder Situation zu behaupten weiß.
Die Autorin Dorothea Razumovsky arbeitete für den Rundfunk und namhafte Zeitungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie ist Autorin mehrerer Sachbücher, überwiegend zu Themen der Geschichte und Außenpolitik. Sie lebt in Lich in Hessen.

Monika Maron
Animal Triste. Roman

Frankfurt/Main 2001 (S. Fischer), 240 Seiten, 18 Euro, ISBN: 978-3-10-048807-7

Die Erzählerin in diesem Roman erinnert sich zum letzten Mal an ihre Liebe, die ihr im Sommer 1990 begegnete, als sie nicht mehr jung war und noch nicht alt. Nachdem ihr Geliebter sie verlassen hat, zieht sie sich aus der Welt zurück und wiederholt seitdem die Zeit mit ihm als eine nicht endende Liebesgeschichte. Das Ende der Diktatur offenbart die Ordnung ihres Lebens als absurd, die gewonnene Freiheit fügt sich nicht mehr dem Ganzen, sondern stellt die früheren Lebensentscheidungen infrage. Die Liebe zu Franz, der jenseits der Mauer aufgewachsen ist, wird zur obsessiven Leidenschaft, die keinen Verzicht zuläßt und keine Rücksicht. Die Heldin des Romans beschwört die Liebe als letzte anarchische Sinngebung, die sich über jede Ordnung hinwegsetzt und ihre eigene errichtet.
Die Autorin, Monika Maron, 1941 in Berlin geboren, wuchs in der DDR auf, übersiedelte 1988 in die Bundesrepublik und lebt seit 1993 wieder in Berlin. Sie wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter dem Kleist-Preis (1992), dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2003) und dem Deutschen Nationalpreis (2009).

Botho Strauß
Vom Aufenthalt. Wege des Mannes, Stunden der Frau

München 2009 (Carl Hanser), 352 Seiten, 19,90 Euro, ISBN: 9783446234413

Ein Buch von der großen Verwunderung über eine Zeit, die von Krise zu Krise stolpert, ohne die tieferen Ursachen dieser modernen Erdbeben zu verstehen - oder: verstehen zu wollen? Botho Strauß, der große Einzelgänger der zeitgenössischen Literatur in Deutschland, hebt in diesen Erzählungen die Religion und die Mythen, die Gegenwart als Teil der Geschichte, das Verhältnis der Geschlechter, das Unzugängliche und das Unerklärliche, das Übersehene und das Unverbundene in unterschiedlicher Beleuchtung hervor. Sein neuer Prosaband vereint Träumerei und strenge Zeitdiagnose und ist ein eindrucksvolles Zeugnis des Nachdenkens über gegenwärtige und kommende Krisen.

Wilhelm Genazino
Das Licht brennt ein Loch in den Tag.

Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) ISBN: 3-499-22694-4

Ein Erzähler durch Erinnerungslücken beunruhigt, findet einen ungewöhnlichen Ausweg, dem Verlust des Gedächtnis zu entgehen. Er verteilt seine Erlebnisse mündlich und in Briefen an seine Freunde. Eines Tages, wenn ihm Details der eigenen Biographie entfallen sind, sollen ihm die Freunde seine Erinnerungen angereichert "zurückerzählen". (Buchtext)
"Viele dieser kurzen Erzählungen des Buches möchte man wieder und wieder lesen, um sie zu Teilen eigener Erinnerung umzubauen." ("Süddeutsche Zeitung")

Philippe Claudel
Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung. Roman

Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) ISBN: 978-3-499-24204-5

Freundschaft unter Fremden. In seiner Heimat hat Monsieur Linh nach einem Bombenangriff alles verloren. Er flieht mit seiner kleinen Enkeltochter in ein fremdes Land, in eine kalte, verregnete Stadt. Mit anderen Flüchtlingen wohnt er in einem Heim, wo er sich einsam und verlassen fühlt. Da lernt er auf einem Spaziergang den dicklichen Monsieur Bark kennen. Monsieur Bark redet und redet, obwohl Monsieur ihn gar nicht verstehen kann. Ohne Worte erzählen sich die beiden Männer von Glück, Sehnsucht und Hoffnung - und teilen ein trauriges Geheimnis. (Buchtext)
"Eine herzergreifende Fabel über Exil, Einsamkeit und Freundschaft" (FREUNDIN)

Thomas Hürlimann
Fräulein Stark. Roman

Zürich 2001 (Amman), 192 Seiten, 19,50 Euro, ISBN: 3-250-60075-X

"Im Anfang war das Wort, dann kam die Bibliothek und erst an dritter und letzter Stelle kommen wir, die Menschen und die Dinge." Nach dieser Devise leben der ehrwürdige Stiftsbibliothekar und seine Haushälterin, das Fräulein Stark. Der Neffe des Bibliothekars, der einen Sommer lang zum Schutz des wertvollen Bodens im Büchersaal Filzpantoffeln an die Besucher verteilt, lernt allerdings eine ganz andere Sicht der Dinge kennen. Er entdeckt in diesem Sommer die Welt der Bücher und das andere Geschlecht. Und das Fräulein Stark spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle.
Thomas Hürlimann wurde am 21. Dezember 1950 in Zug geboren. Er besuchte die Primarschule in Zug und die Stiftsschule in Einsiedeln. Nach der Reifeprüfung studierte er Philosophie an der Universität Zürich und der Freien Universität Berlin. Dieses Studium brach er 1974 ab und ließ sich als freier Schriftsteller in Berlin-Kreuzberg nieder. Von 1982 bis 1985 war er Regieassistent und Dramaturg am Berliner Schillertheater. 1985 kehrte er in die Schweiz zurück. Seit 2000 ist er Dozent am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Für sein umfangreiches dramatisches und erzählerisches Werk wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter 2002 mit dem Lion-Feuchtwanger-Preis und 2007 mit dem von der VGH-Stiftung ausgelobten Preis der LiteraTour Nord. 2008 erhielt Thomas Hürlimann den Caroline-Schlegel-Preis der Stadt Jena.

Virginia Ironside
Nein! Ich will keinen Seniorenteller. Das Tagebuch der Marie Sharp

München 2007 (Goldmann), 288 Seiten, 17,95 Euro, ISBN: 978-3-442-31101-9

Aus dem Englischen von Gertrud Wittich.
Marie Sharp, das Alter Ego der Journalistin Virginia Ironside, ist zu jung, um einen Treppenlift zu benutzen, aber doch reif genug, um den Vorteil bequemer Schuhe zu schätzen. Sie geht gern auf Beerdigungen, die sie viel unterhaltsamer findet als Hochzeiten, sie tauscht den Gynäkologen gegen einen Chiropraktiker, liest begeistert Todesanzeigen und fragt sich, ob sie wohl an Alzheimer erkranken wird. Denn Marie Sharp wird langsam alt - und ist verdammt froh darüber. Als ihr sechzigster Geburtstag näher rückt, beschließt Marie, ein Tagebuch zu beginnen und all die Ereignisse der nächsten Monate festzuhalten. Es wird ein turbulentes Jahr, in dessen Verlauf Marie Großmutter wird, aber auch ihren besten Freund verliert; ein Jahr, in dem sie Feste feiert, neue Bekanntschaften schließt und sich schließlich erneut in ihren Jugendschwarm Archie verliebt. Vor allem aber ist es eine Zeit, in der sie es genießt, endlich nicht mehr jung sein zu müssen...
"Keine leeren Floskeln, keine leeren Entmutigungen. Sondern die Erfahrungen einer liebenswerten Frau, die um keinen Preis jünger sein möchte, als sie ist und gerade dadurch wesentlich jugendlicher erscheint als manche, die dem Jugendkult verfallen sind." (NDR 1)

Katharina Hacker
Die Erdbeeren von Antons Mutter. Roman

Frankfurt am Main 2010 (S. Fischer), 174 Seiten, 17,95 Euro, ISBN: 978-3-10-030064-5

Anton ist Arzt in Kreuzberg, mit Sorge sieht er, wie seine Mutter in seinem Heimatort in der niedersächsischen Provinz gegen eine schnell fortschreitende Demenz kämpft. Jedes Jahr schickt sie ihm und seinen Freunden Alix und Bernd Erdbeermarmelade nach Berlin. Die Erdbeeren wachsen auf dem "Acker", wie sie ihren Garten nennt, den sie ihr Leben lang mit Liebe gepflegt hat. Aber in diesem Frühsommer vergisst sie, die Ableger auszupflanzen Anton muss erkennen, wie seine Mutter Stück für Stück verloren geht, und mit jeder ihrer Niederlagen verschwindet ein Teil seiner eigenen Existenz: Das vertraute Land der Kindheit. Dann trifft er Lydia und findet nach Jahren des Alleinseins eine Zukunft, in der Liebe möglich zu sein scheint. Aber Lydia bringt eine Vergangenheit mit, die in beider Leben mit Vehemenz einbricht.
Katharina Hacker, geboren 1967 in Frankfurt am Main, studierte ab 1986 Philosophie, Geschichte und Judaistik an der Universität Freiburg. 1990 wechselte sie an die Hebräische Universität Jerusalem. Seit 1996 lebt sie als freie Autorin in Berlin. 1997 debütierte sie mit dem Buch 'Tel Aviv. Eine Stadterzählung', es folgten die Erzählungen 'Morpheus oder Der Schnabelschuh' (1998) und die Romane 'Der Bademeister' (2000) und 'Eine Art Liebe' (2003). Zuletzt erschienen von ihr der Roman 'Die Habenichtse', für den sie 2006 den Deutschen Buchpreis erhielt, der Gedichtband 'Überlandleitung' (2008), 'Alix, Anton und die anderen' (2009) und 'Die Erdbeeren von Antons Mutter'.

Harriet Köhler
Und dann diese Stille. Roman

Köln 2010 (Kiepenheuer und Witsch), 320 Seiten, 19,95 Euro, ISBN: 978-3-462-04191-0

Wie ist es, wenn man in hohem Alter seine Frau verliert und auf einmal merkt, daß man nie mit ihr geredet hat - zumindest nicht über das, was einem seit sechzig Jahren das Herz zuschnürt? Wie ist es, wenn man als Rentner wieder bei seinem Vater einzieht - und einen Mann pflegt, der einem ein Leben lang fremd geblieben ist? Und wie ist es, wenn man immer sicher war, anders zu sein als die Eltern - und nun, da man zum ersten Mal liebt, erkennen muss, daß man genauso verstockt und unfähig ist wie sie?
Walther sitzt an Grethes Krankenbett und sieht hilflos die letzte Chance verstreichen, ihr alles zu erzählen. Jürgen will seinem Vater zur Seite stehen, aber der wehrt seine Hilfe ab. Dennoch entsteht zwischen den beiden Männern eine Nähe, die neu für sie ist. Als Walther damals aus dem Krieg und der Gefangenschaft kam, war Jürgen bereits zehn, er hat seinen Sohn nicht aufwachsen sehen. Diese Jahre haben sie immer getrennt, Jahre, in denen viel geschehen ist, Erlebnisse, für die es keine Worte gibt. Doch nun wird Walther zum Pflegefall und Jürgen zum Pfleger, und Vater und Sohn entkommen sich nicht mehr. Als dann auch noch Jürgens Sohn Nicki sie besucht, der mit Ruth gerade zum ersten Mal erfährt, wie schön und schwer es ist zu lieben, wird die Mauer des Schweigens rissig und die Vergangenheit blitzt hervor. Alte, bislang nie ausgesprochene Konflikte bahnen sich wütend ihren Weg an die Oberfläche und führen zu einer vorsichtigen und zarten Annäherung.
Nach ihrem hochgelobten Debüt "Ostersonntag" erweist sich Harriet Köhler erneut als feinfühlige und genaue Beobachterin familiärer Bindungen. Mit beeindruckender Sprache und in intensiven Bildern erzählt sie von Trauer und Sehnsucht, von Wut und Liebe, aber auch von der Möglichkeit, zu verstehen und zu verzeihen - und umspannt, fast nebenbei, die Geschichte dreier Generationen, geprägt von den Spätfolgen des Krieges.

Philip Roth
Jedermann. Roman

München 2006 (Carl Hanser Verlag), 172 Seiten, 17,90 Euro, ISBN: 3-446-20803-8

Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz. Philip Roth erzählt die Geschichte eines Lebens, wie es normaler nicht sein könnte. Von der ersten schockierenden Konfrontation mit dem Tod in den Sommerferien seines Helden über die familiären Wirren und die beruflichen Erfolge in seinem Erwachsenenleben als Designer in einer Werbeagentur bis hin zu der Zeit, als ihm die eigenen Gebrechen zusetzen. Er ist der Vater zweier Söhne aus erster Ehe, die ihn verachten, und einer Tochter aus einer späteren Ehe, die ihn vergöttert. Er liebt, hasst und neidet und muss am Ende erkennen, dass er das wirklich große Glück nie erreicht hat.

Milan Kundera
Die Unsterblichkeit. Roman

Ffm (Fischer Taschenbuch Verlag), 416 Seiten, 9,90 Euro, ISBN: ISBN 3-596-10672-9

In einem Fitness-Club über den Dächern von Paris sitzt Milan Kundera, Autor und Figur der Unsterblichkeit, und beobachtet, wie eine etwa sechzigjährige Frau Schwimmstunden nimmt. Zum Abschied winkt sie dem Schwimmlehrer noch einmal zu und macht dabei eine so graziöse Handbewegung, daß der Betrachter beschließt, diese Geste, die die ganze unerträgliche Leichtigkeit des Seins zu enthalten scheint, der Heldin seines Romans, Agnes, zum Geschenk zu machen.

John Updike
Endpoint and Ohter Poems Alfred A. Knopf, New York - 112 Seiten, 25 Dollar

John Updike
Die Hexen von Eastwick

aus dem Englischen von A. Praesent und M. Carlsson - Rowohlt-Verlag - 416 Seiten, 19,90

Cees Nooteboom
Nachts kommen die Füchse
Suhrkamp, 2009, 152 Seiten
Nachts, wenn die Füchse kommen - das sind die Momente, in denen man sich das eigene Leben nicht mehr zutraut, in denen die Angst vor der Dunkelheit überhandnimmt. Daß der Erzähler in schöner Regelmäßigkeit von diesen Füchsen, diesen Ängsten heimgesucht wird, meist morgens gegen fünf, das wissen wenige. Paula weiß es, die Begehrenswerte, die auf dem Cover der Vogue abgebildet war, die rätselhafte Paula. Sie ist der geheime Mittelpunkt der Clique, in der mit Leidenschaft Bakkarat gespielt und mit Verve Geld verloren wird. Daß sie mit dem Erzähler etwas ganz Besonderes verbunden hat, begreift er erst, als der Kasinobesuch in Deauville schon beschlossene Sache ist, als Paula auf die 23 setzt, als der große Hotelbrand von Saragossa längst Geschichte ist.

Noelle Chatelet
Die Klatschmohnfrau. Roman

Köln 1999 (Kiepenheuer & Witsch), 174 Seiten, 14,90 Euro, ISBN: 978-3-462-02785-3

Die schüchterne 70jährige Witwe Marthe trifft auf Felix, einen 10 Jahre älteren Maler, und liebt damit zum erstenmal richtig in ihrem Lebens. Mit fröhlichem Starrsinn verteidigt sie ihre Gefühle gegenüber ihrer überraschten Umgebung.

Liza Cody/Sabine Deitmer/Ruth Rendell/Georges Simenon/Henry Slesar/Julian Symons u. a.
Mit 66 Jahren, fängt das Morden an.
7,00 Euro, ISBN: 3-502-51817-3
Alter schützt vor Morden nicht: Hier wird mit Hinterlist. Habgier und Erfahrung gemordet, daß es eine Freude ist. Die im Buch geschilderten perfid-genialen Kriminalfälle aus Meisterhand zeigen, daß auch reizenden alten Damen und Herren nicht so leicht über den Weg getraut werden darf

Michèle Desbordes
Die Bitte
Quartbuch. Gebunden. 128 Seiten
Aus dem Französischen von Barbara Heber-Schärer. Die Geschichte einer merkwürdigen Beziehung zwischen einer einfachen Frau und einem berühmten Mann am Ende seines Lebens. "Ein kluges, sehr stilles, sehr feines Buch, erzählt mit vorsichtigen und sicheren Pinselstrichen als schönes Bild.", findet Elke Heidenreich im Westdeutschen Rundfunk

Jonathan Frantzen
Die Korrekturen. Roman
Reinbek 2001

Paul Guimard
Versteinerung
Kindler, 1998
Ein humorvoller kleiner Roman über das Altern. Der alternde Pariser Architekt Pierre löst alle Bindungen und zieht sich auf einen abgelegenen irischen Landsitz zurück. Hier leben schnurrige Nachbarn mit all ihren phantasievollen Geschichten und ihrem Glauben an das Übernatürliche.

Peter Härtling
Lebensalter. Ein Hausbuch für jede Generation
(C. H. Beck)
Zu jedem Lebensalter, zu jeder großen Station im Leben finden sich in diesem Lese- und Nachschlagebuch die passenden Gedichte. Aus der deutschen Lyrik der Vergangenheit wie der Gegenwart sind viele Gedichte versammelt, die unsere Lebensalter besonders treffend charakterisieren. Zusammengestellt hat dieses Buch Peter Härtling, Autor der Gegenwartsliteratur und selbst Lyriker.

Hermann Hesse
Mit der Reife mit man immer jünger. Betrachtungen über das Alter
Insel-Verl., 1990, 190 Seiten
Der Band enthält Betrachtungen und Gedichte über das Alter aus vier Jahrzehnten. Hrsg. von Volker Michels

Monika Maron
Endmoränen. Roman

Frankfurt/Main 2002 (Fischer TB), 256 Seiten, 8,95 Euro, ISBN: 978-3-596-15454-8

War das Glück immer nur eine Illusion? Johanna versucht ihren biografischen Standort zu bestimmen, rückblickend, vergleichend und ratlos. "Monika Maron hat ein mutiges Buch geschrieben. Es trifft die Seelenlage der Nation wie kaum ein anderes in diesem Herbst." Tilman Krause, Die Welt Die Autorin, Monika Maron, 1941 in Berlin geboren, wuchs in der DDR auf, übersiedelte 1988 in die Bundesrepublik und lebt seit 1993 wieder in Berlin. Sie wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter dem Kleist-Preis (1992), dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2003) und dem Deutschen Nationalpreis (2009).

Peter von Matt
Verkommene Söhne, mißratene Töchter. Familiendesaster in der Literatur
(dtv-Taschenbuch) 15,00 Euro, ISBN: 3-423-30647-5
Das Buch nimmt Familiendesaster seiner unauflöslichen Verknüpfung mit politischer Geschichte in der Literatur unter der Lupe. Es ist ein vergnügliches wie entsetzliches Lehrstück, ein rasantes Plädoyer gegen einfach Ja und Amen sagen, eine Verteidigung der angeblich grauen Demokratie gegen die Machtgeräusche von Vätern und Söhnen, die alles gutheißen, solange es nur Glanz und Größe hat. Es ist ein Trostbuch für mißratene und verkommene Mütter, Väter, Töchter und Söhne.

Lisa Pei
Im Namen des Enkels
Roman, Heyne, 1999
Ihre Tochter und der erfolglose Schwiegersohn wollen aus dem Haus der 75jährigen Marlene Lundt ein Hotel machen. Die beiden drohen mit Entmündigung, doch unerwartete Rettung naht durch Niklas, einem jungen Mann mit Liebeskummer, der in Marlenes Dachwohnung einzieht.

Der Mispelbaum
SALTO. Rotes Leinen. Fadengeheftet. 96 Seiten
Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann. Ein Mann ist hundert Jahre geworden und hat beschlossen, sich unter einen Mispelbaum zu setzen und "Gedankenspaziergänge" zu machen. "Wie lächerlich, armselig und vollkommen belanglos erscheint doch das ganze mediale Blendwerk eines Silvio Berlusconi gegenüber nur einem einzigen schmalen Erzählband von Luigi Pintor.", heißt es bei Carl-Wilhelm Macke im Tages-Anzeiger

Nicholas Sparks
Wie ein einziger Tag
Heyne, 2000
Liebe auf den ersten Blick verbindet den einfachen Farmer Noah mit der reichen, verwöhnten Allie ein Leben lang. Auch Alter und Krankheit können ihrer Beziehung nichts anhaben.

Italo Svevo
Ein Mann wird älter
WAT 368. 320 Seiten
Aus dem Italienischen von Piero Rosmondo. Mit einem Vorwort von Daniele del Giudice. Ein wunderbar ironischer Roman über das Alter als Geisteshaltung. "Ein Mann wird älter ist ein wahres Lügenfeuerwerk. Svevos schönstes Buch", urteilt Daniele del Giudice

Italo Svevo
Der alte Herr und das schöne Mädchen
SALTO. Rotes Leinen. Fadengeheftet. 112 Seiten.
Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner. Italo Svevos letzte und schönste Erzählung. Mit einer Autobiographie, Lebensdaten und vielen Photos. "Svevos Ironie ist bis in die kleinster Metapher auf einer luziden Höhe wie ganze Generationen von Psychopathetikern nach ihm nicht mehr.", so Gabriele Killert in der ZEIT

Galsan Tschinag/Amelie Schenk
Im Land der zornigen Winde. Zürich
1999

Claudia Wolff
Letzte Szenen mit den Eltern
München 2004 (Antje Kunstmann), 142 Seiten, 14,90 Euro

Unai Elorriaga
LUCAS oder Der Himmel über Neapel
Ü: Karl A. Klewer, 192 Seiten, 16,90 Euro, Schöffling & Co.
Das Treppensteigen kommt ihnen vor wie der Gipfelsturm auf einen Achttausender. Die Gesundheit spielt nicht mehr mit, erst recht nicht das Gedächtnis. Doch Maria und Lucas nehmen das Leben so, wie es ist. Und es ist voller Überraschungen - vor allem, wenn im eigenen Kopf die Grenzen zwischen den Zeiten, zwischen Lebenden und Toten immer mal verschwimmen.
Ob es um da Sterben geht oder die Erinnerung, um Sehnsucht oder Zufriedenheit: Kein Moment nimmt sich in diesem Buch wichtiger als der andere. Zusammen zeigen sie das Alter einmal nicht als etwas Bedrückendes, Bedauer- und Befremdliches. Sondern als ein etwas wunderliches Wunder.



© 2003-2008 by Dr. Dietmar Höhne - Mail: info@aging-alive.de

Buchbestellungem per Internet:


Viele der hier aufgeführten Bücher können per E-Mail auch über die Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung in Flensburg bestellt werden.

E-Mail-Adresse:
info@cvo-buchladen.de


Aktuelle News




Ändert sich unser Bild vom Alter?


Am 28. Mai 2011 gab es im DLF Freitagvormittags im Rahmen der Sendereihe "Lebenszeit" eine sehr interessante Sendung zum Thema: "Perspektiven- ändert sich unser Bild vom Alter?", an der u.a. auch Joachim Fuchsberger teilnahm. Anlaß für diese Sendung war der Foto- und Filmwettbewerb "Was heißt schon alt" des Bundesfamilienministeriums. Denn Bilder - so heißt es auch im sechsten Altenbericht der Bundesregierung - haben großen Einfluß auf die Verwirklichung von Entwicklungsmöglichkeiten und auch auf den Umgang mit Grenzen. Unser Bild vom Alter ist nicht festgelegt, es ist eine soziale Vereinbarung, die sich abhängig von historischen und kulturellen Rahmenbedingungen verändert.

Was sagen nun die Bilder, die wir uns heute vom Alter und vom Altern machen über uns und unsere Gesellschaft aus? Stimmen sie mit der Wirklichkeit überein? Wie hat sich das Bild vom Alter verändert? Wie sehen sich Menschen, die heute alt sind und wie werden sie im Unterschied dazu von ihrer Umgebung gesehen? Welches Bild von sich entwickeln Jüngere, wenn sie an sich selbst als alte Menschen denken und was tun sie, um dieses Bild von sich zu realisieren?

Download der Sendung: Lebenszeit: Neue Bilder vom Alter- neue Perspektiven?


Zu den Ergebnissen des Wettbewerbs: "Was heißt schon alt?"


Zum PDF-Download des 6. Altenberichts der Bundesregierung


Zum in der Sendung angesprochenen Altensportler-Dokumentarfilm: "Herbstlaub" - Wettlauf gegen das Alter


Zu Joachim Fuchsbergers Buchveröffentlichung: "Alt werden ist nichts für Feiglinge"


Zum von Joachim Fuchsberger angesprochenen Fernsehfilm: "Die Spätzünder"



Generation Grau


Viele Rentner, zu wenige Kinder, noch weniger Enkel, stagnierende Wirtschaft... Aus solcher Zwischenbilanz eine unabwendbar trostlose Zukunft in einem vergreisenden Land abzuleiten, ist falsch. Die "Neuen Alten" haben ein unschätzbares Kapital: Zeit. Und Lust, sie sinnvoll zu nutzen: Um Neues zu lernen. Um ihre Erfahrungen weiterzugeben. Um sich sozial zu engagieren - zum Wohle der Jungen. Generation Grau

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