Die sozialpolitischen Tagesordnungen im Westen sind in Bewegung gekommen. Neuartige Themen drängen in den Vordergrund - Rentensysteme, Einwanderungsregelungen, reproduktive Rechte, die Ausgestaltung der Ehe. Jedes dieser Themen zieht stapelweise Literatur nach sich. Zu den herausragenden Beiträgen von linken Autoren zählen Robin Blackburns Banking on Death und Göran Therborns Between Sex and Power. Auf der politischen Rechten fanden Francis Fukuyamas Interventionen "Der große Aufbruch" und "Das Ende des Menschen" regen Zuspruch. Aus einem weiter gespannten anthropologischen Blickwinkel hat sich Maurice Godelier in "Métamorphoses de la parenté" mit dem derzeitigen Wandel befaßt. Auf je verschiedene Weise bewegen sich all diese Werke in einem sozialwissenschaftlichen Rahmen.
L'avènement du corps gehört einem anderen Genre an: dem des philosophischen Essays, der mit einer Fälle frappierender - wenngleich selten belegter - Daten aufwartet und auf eine Weise intellektuell zugespitzt ist und literarisch funkelt, die auch heute noch eine französische Besonderheit ist. Auch sein Verfasser, Herve Juvin, scheint ein Phänomen zu sein, das es so nur in Frankreich gibt. In englischsprachigen Ländern stehen sich Wirtschaft und Kultur normalerweise so fremd gegenüber, daß ihre Kombination - einmal abgesehen von dem illustren Ausnahmefall W. G. Runcimans, dessen angeborener Reichtum eher an die Zeiten eines Rosebery oder eines Balfour denken läßt als an die britischen Unternehmerverbände - bestenfalls eine beflissene kleinbürgerliche Apologetik auf dem Niveau von Adair Turners Just Capital hervorbringt. In Frankreich hingegen ist der intellektuelle Manager keine ungewöhnliche Erscheinung. Juvin, der in der Versicherungsbranche tätig ist, schreibt ohne offene politische Parteinahme. Soweit er sich verorten läßt, steht er Le Debat nahe, der lebhaftesten Mitte-Rechts-Zeitschrift des Landes.
L'avénement du corps verkündet den Anbruch einer Zeit, in der der menschliche Körper begonnen hat, alle anderen Wertmaßstäbe des Westens auszuhöhlen und so die Lebenserfahrung der heute lebenden Menschen von der aller vorangegangenen Generationen und der der restlichen Welt abzutrennen. Zugrunde liegt dieser Zeitenwende eine spektakuläre Veränderung der Lebenserwartung. Im Revolutionsjahr 1789 betrug die durchschnittliche Lebensdauer in Frankreich 22 Jahre. 1900 hatte sie knapp 45 erreicht. Heute liegt sie für Männer bei 75 und für Frauen bei über 83 Jahren und steigt kontinuierlich weiter an. "Wir haben allen Grund zu der Annahme, daß jedes zweite nach 2000 in Frankreich geborene Mädchen hundert Jahre alt werden wird." Diese Verlängerung des Lebens ist "das Geschenk, das uns ein Jahrhundert aus Blut und Eisen hinterläßt - das Geschenk eines verdoppelten Lebens", das auf nichts Geringeres hinausläuft als "die Erfindung eines neuen Körpers, eines Körpers gegen die Bedürftigkeit, gegen das Leid und gegen die Zeit. Und gegen die Welt - die Welt der Natur nämlich, die die des Schicksals war". Das Geschenk ist den Reichen vorbehalten. "Eine ganze Generationsspanne wird Europa bald von seinen südlichen Nachbarn trennen, wenn (gegen 2050) der Altersmedian seiner Bevölkerung die Fünfzig überschreitet, während der des Maghreb unter dreißig bleibt."
Wenn sich die neue Langlebigkeit auch den Fortschritten der traditionellen Medizin verdankt, zeichnet sich an ihrem Horizont doch die neue "Lebensindustrie" ab, die bereits heute ohne Geschlechtsverkehr Menschen produzieren kann und kurz vor dem Durchbruch zu deren Herstellung im Labor steht. Die Eugenik winkt beim künftigen Eintritt ins Leben, die Euthanasie als der Normalfall, aus ihm auszuscheiden. Schon jetzt spielt die soziale Isolation eine größere Rolle beim Ableben der Alten als der körperliche Verfall: "Die Zeit ist nicht mehr fern, wo sich der Tod aus Gefühlen von Distanz und Ekel angesichts einer Welt einstellt, die nicht mehr die eigene ist - wo das Leben nicht mehr das ist, was der Körper verrät, sondern das, was der Geist verläßt, der so den Körper verrät." Ein solcher Abschied vom Leben wird immer noch erlitten. Was jedoch kommen wird, ist "der Triumph des bewirkten Todes, des gewählten und freiwilligen Todes als letzter Stufe der Erfindung eines neuen Körpers" - die logische Konsequenz "des Anspruchs, das Leben als einen Besitz zu verstehen, als Domäne individueller Entscheidungen und der Ausübung des freien Willens par excellence".
Zwischen Eintritt und Ausscheiden breiten sich unterdessen die auf die Wartung, Reparatur, Umwandlung und Vervollkommnung spezialisierten "Body Shops" aus; die Ausgaben für Diätetik, Gesundheitsfürsorge, Schönheitsoperationen und Körperzierat explodieren. Die künstlichen Gesichter von Madonna und Mariah Carey sind die neuen Schönheitsidole, und der soziale Erwartungsdruck, der aus ihnen spricht, ist auf jedem Bildungsniveau und in jeder beruflichen Sphäre zu spüren.
"In jeder Lebensphase tut sich dieselbe Kluft auf: Kinder, die in den Augen Gleichaltriger oder Erwachsener gut aussehen, haben eine um vierzig Prozent größere Chance, ihre Schulzeit ohne Rückschläge hinter sich zu bringen, so wie neue Mitarbeiter, die in den Augen ihrer Arbeitskollegen und ihres beruflichen Umfelds gut aussehen, eine um vierzig Prozent größere Chance haben, regelmäßig befördert zu werden und die Karriereleiter hinaufzuklettern, und sehr wahrscheinlich jenem gutaussehenden jungen Mann bzw. jener attraktiven jungen Frau begegnen, der bzw. die ihnen helfen wird, im Leben voranzukommen."
In den öffentlichen Angelegenheiten entwickelt sich das äußere Erscheinungsbild zu einer sogar noch wesentlicheren Erfolgsbedingung, wie die politische Klasse bis zum Überdruß demonstriert.
Von körperlicher Arbeit befreit, vor altmodischen Krankheiten geschätzt, durch neue Zusatzstoffe verbessert und auf längere Haltbarkeit getrimmt, läßt sich der neuerfundene Körper von traditionellen Verpflichtungen und Zwängen und wird zu einer Lustmaschine, die sich selbst genügt. Angesichts dieses Wandels macht die Ehe, wie man sie einst verstand - als "eine Institution, die sich mitnichten dem Begehren, der Lust, dem Paar verdankt, sondern ganz und gar dem Kind, dem Erhalt der Familie und ihres Erbes" - nur noch wenig Sinn. Wenn, wie Fachleute behaupten, sexuell gesehen
"die Zahl der Akte eng mit der Zahl der Partner korreliert, widerspricht dann nicht die eheliche Treue unserer neuen moralischen Pflicht, für unser Wohlbefinden zu sorgen? Die Französinnen und Franzosen scheinen die Botschaft verstanden zu haben. In den Städten endet mehr als jede zweite Ehe mit einer Scheidung oder faktischen Trennung. Im Jahr 2002 ist der durchschnittliche Franzose seiner Bank treuer als seiner Frau - er erträgt sie länger, im Durchschnitt schafft er 16 Jahre in der Liebe und 22 beim Geld."
Was Kinder betrifft, so mindert die Verlängerung der Lebensspanne einer Generation ihr Interesse daran, eine neue hervorzubringen.
"Ein erheblicher Teil des biologischen Kapitals eines Individuums wird in dem Moment aufgebraucht, wenn es sich fortpflanzt. Die Entscheidung, sich nicht bzw. nur selten oder spärlich zu reproduzieren, läßt sich als Entscheidung für die Verlängerung des eigenen Lebens verstehen. Der Extremfall wäre eine Generation, die das ewige Leben hätte und sich gar nicht mehr fortpflanzen müßte."
Für diejenigen, die in diese neue Ordnung hineingeboren werden, dürfte :ine solche Schwächung der Bande zwischen den Generationen einschneidende Folgen haben. Sie werden nicht nur von ihren immer stärker mit sich selbst beschäftigten Eltern getrennt sein, sondern auch von all jenen Formen ron Kultur und all jenen Beziehungen zur Natur, die einst eine Kontinuität der Erfahrung zwischen den Generationen bewirkten. Statt dessen werden sie sin zunehmend virtuelles, digitalisiertes Universum bewohnen, in dem die Grenzen zwischen Realität und Schein aufgehoben sind.
"Die Entwicklung begann in den Vereinigten Staaten und hat nunmehr auch Frankreich und Europa erreicht: Die Mehrzahl der Kinder zwischen drei und zwölf Jahren verbringt mehr Zeit vor einem (Fernseh-, Computer-, Videospiel- oder Handy-)Bildschirm als mit ihren Eltern, Lehrern oder Freunden: im Durchschnitt über fünf Stunden am Tag, denen vier mit Lehrern, weniger als drei mit Freunden - und kaum etwas mehr als eine mit den Eltern zusammen verbrachte Stunde gegenüberstehen."
Unter diesen Umständen schrumpft die Vermittlung von Bräuchen und werten, die einst durch Familie, Schulsystem, Armee, Kirche oder Parteien gewährleistet wurde, auf die Weitergabe eines einzigen Wertes zusammen: den des Geldes, gleichsam als Entschädigung für die Preisgabe aller anderen. Die Erbschaften werden immer größer, auch die in Kinder getätigten Investitionen - im Normalfall in Form von Bildungsprivilegien, die sich am Arbeitsmarkt auszahlen werden - nehmen ständig zu, während die geistige und moralische Distanz zwischen Ahnen und Nachkommen wächst.
Welche Schlußfolgerungen zieht Juvin aus seinem Porträt einer durch den neuerfundenen Körper bestimmten Gesellschaft? Ökonomisch betrachtet, mögen zwar Eltern am Ende ihren Kindern größere Erbschaften hinterlassen, bis dahin aber haben sie die Gesellschaft infolge einer gigantischen Umverteilung von Vermögen mittels des Rentensystems, die zu Lasten der jüngeren Generationen geht, wesentlich mehr gekostet; und dieser Trend wird anhalten, wie der Autor feststellt, ist die Gesamtkaufkraft der französischen Ruheständler im Lauf der letzten 30 Jahre sprunghaft angestiegen: Ein Paar, das 1980 aus dem Arbeitsleben ausschied, konnte mit dem Dreifachen dessen an Rente rechnen, was seine Eltern 1956 bekommen hatten. Tatsächlich hat sich die Kaufkraft der Rentner seit dem Zweiten Weltkrieg versechsfacht, die der Lohnempfänger hingegen nur vervierfacht.
Ein System, dessen Defizit sich bald auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts belaufen wird, läßt Sozialleistungen - nicht nur in Form von Renten, sondern durch alle möglichen Arten von Steuerbefreiungen und subventionierten oder kostenlosen Leistungen - in überwältigendem Ausmaß jenen zugute kommen, die nicht mehr arbeiten. Diese Konzentration von Ressourcen kann nicht von Dauer sein. "Früher oder später wird die Anhäufung von Privilegien, die die Sozialausgaben zu jenem Mechanismus werden lassen, der einst die Inflation gewesen ist - freilich mit umgekehrten Umverteilungseffekten, indem nämlich die pensionierten Gläubiger und nicht mehr die jungen werktätigen Schuldner profitieren -, unerträglich werden."
Dies klingt nach der üblichen Leier der neoliberalen Kritiker des französischen Wohlfahrtsstaats, die regelmäßig dieselben Verzerrungen anprangern und, voller Vertrauen in die Globalisierungslogik des heutigen Weltmarkts, darauf hoffen, daß angelsächsische Pensionsfonds und ein flexibleres Arbeitsrecht sie schon beseitigen werden. Juvin jedoch, der sich sonst mit diesen Kritikern einig weiß, teilt ihren Optimismus nicht im geringsten. Für ihn trug die Marktwirtschaft das Projekt des Westens, eine Marktwirtschaft, die, "geboren im Zeichen der Vernunft, als Gebieterin über Universalismus und Individuation", für lange Zeit ausschlaggebendes Kriterium des Wirklichen und Vernünftigen blieb.
"Die Großmeister des Verdachts haben unsere physischen, psychischen und moralischen Gewißheiten erschüttert; die Marktwirtschaft hat das Wahrheitsprinzip wiederhergestellt, auf das wir angewiesen sind, wenn wir sprechen, vergleichen, tauschen - mit einem Wort, wenn wir leben wollen. Inmitten von Überfluß, Frieden, Wohlstand hielt sie als einzige die Vernunft in einer Welt der Ideologien aufrecht, die sie anfechten, aber nie stürzen konnten; sie war der letzte Rest Logik, der zwischen isolierten Individuen noch blieb, alles, was sie noch verband, die einzige gemeinsame Sprache für jene, die sonst nichts mehr gemeinsam haben, der einzige Handlungsgrund für jene, die keine anderen Gründe mehr kennen."
Eine reichlich extravagante Hommage? Gott bewahre, lediglich ein Tribut an die Vergangenheit: "Das war einmal. Unter dem Primat des Körpers arbeitet eine Wohlfahrtsökonomie an einer gewaltigen Umstrukturierung von Werten und Preisen, von Vorlieben und Normen" - einer Umstrukturierung, die "Gesundheit, Wohlergehen und physische Unversehrtheit über die Wirtschaft stellt" und so die Wiederkehr "kollektiver Entscheidungen" einläutet. Keineswegs bedeutet dies einen Niedergang der Märkte, die ganz im Gegenteil nur daraufwarten, in immer neue Bereiche des Körperlichen einzudringen, um sie privaten Ökonomien zu unterwerfen. Doch werden sich die Finanzmärkte, die heutzutage einem Wahrheitsregime noch am nächsten kommen, an dieses Nachfolgesystem anpassen und ihre Legitimation künftig daraus beziehen müssen, daß sie ihm dienlich sind, indem sie "den Wertschöpfungsgedanken in die Produktion von Wohlfahrt hineintragen". Interessante Gewinne zeichnen sich ab, wenn "der Kapitalismus der Zukunft beispiellose Summen auf den menschlichen Körper konzentrieren" und - in Bereichen wie Gesundheitswesen, Fortpflanzung und Körperoptimierung - "in etwas investieren wird, das nie zuvor Gegenstand von Investitionen gewesen ist; Formen von Privatbesitz an etwas erfinden wird, das nie zuvor in irgend jemandes Besitz gewesen ist; Finanzströme lenken wird, um für etwas zu bezahlen, das nie zuvor einen Preis gehabt hat und Gegenstand von Tausch oder Nachfrage gewesen ist". Doch die Tage, in denen die Finanzmärkte bestimmen, wohin die Reise geht, sind gezählt. Eine andere Art von Regime steht bereit.
Wie wird seine Politik aussehen? Für Juvin, Jahrgang 1958, ist die Kultur des Körpers ein Erbe der Sechziger, als die Rebellen von 1968 die Nachfrage nach sexueller Freiheit erhöhten. "Natürlich stand dahinter nichts oder nur sehr wenig auf dem Spiel; die einzige wirkliche Befreiung in diesem Bereich erzielen Individuen für sich selbst - kollektive politische Demonstrationen bewirken hier wenig." In Wirklichkeit war hinter den Fahnen und Slogans das abstumpfende Gegenteil des Begehrens im Anmarsch, die Verallgegenwärtigung und Banalisierung des Sexes nebst seiner Aneignung durch den Markt. Parallel zu dieser Verflachung der libidinösen Landschaft verblaßten alle überlieferten Formen des Transzendenten. Langlebigkeit läßt den Glauben an die Ewigkeit erlöschen. Nicht, daß das Bedürfnis nach dem Sakralen einfach verschwände. Die Religion übt, wie die Natur, immer noch Anziehungskraft aus. Doch hat sich in dem neuen Regime der authentische Glaube an die eine wie die andere beinahe vollständig verflüchtigt und wird auch nicht zurückkehren. Statt dessen haben wir Surrogate: Technoraves statt Abendmahl und anstelle von Waldern und Mooren städtische Parkanlagen.
Doch wie immer es um das Schicksal von Begehren und Andacht bestellt sein mag, die Demokratie ist doch wenigstens sicher? Leider nein. Die neuen Technologien permanenten Verbundenseins "stellen die Welt in die freie Verfügung des Körpers, den sie davon entbinden, eine Zugehörigkeit zu haben, repräsentiert zu werden, zu debattieren und zu wählen". Damit untergraben sie die traditionellen demokratischen Institutionen, ohne bislang irgendwelche brauchbaren Alternativen hervorzubringen, die an ihre Stelle treten könnten.
"Angesichts des Verblassens gemeinschaftlicher Abenteuer, angesichts der tiefen Ermüdung des Geistes über die nichtige Jagd nach der Wahrheit der Geschichte, der Natur oder der Materie vermag allein das Narrativ des Körpers, seiner Befriedigungen und Lüste, und die Suche nach neuen Formen von Empfindsamkeit, Erfahrung und Emotionalität unsere Aufmerksamkeit noch zu fesseln."
Und das Ende vom Lied? Juvins zentrale Botschaft ist ein düsteres Paradox: Wozu der Kommunismus angetreten war und woran er katastrophal gescheitert ist, verwirklicht derzeit der Kapitalismus. Der irrwitzigste unter all den utopischen Träumen vergangener Revolutionen nimmt soeben - unbemerkt, vor unseren Augen - Gestalt an. "Das von einer erloschenen politischen Ideologie hinterlassene Projekt, die Umwandlung der condition bumaine, ist zum Ziel der unerwarteten Vermählung von Wissenschaft und Markt geworden." Die in Mißkredit geratene messianische Idee einer anthropologischen Umgestaltung der Menschheit wird am Ende doch noch verwirklicht. "Der freien Marktwirtschaft ist mehr als gelungen, was die diversen Sozialismen versprochen und in China wie der UdSSR mit allen Mitteln, die einer nahezu grenzenlosen Macht zur Verfügung stehen, verfolgt haben: Sie hat den neuen Menschen geschaffen."
Wie ist L'avènement du corps einzuordnen? Auf den ersten Blick scheint das Buch zu dem von Foucault ausgelösten biopolitischen Schrifttum zu gehören, das sich als ein sprudelnder Quell von Demagogie und Gespreiztheiten erwiesen hat. Besonders in den englischsprachigen Ländern, wo er von den Kulturwissenschaften aufgegriffen wurde, verspricht der Begriff "Körper" zumeist leeres Gerede: ein Leuchtfeuer, das man weiträumig umschiffen sollte. Derartige Spekulationen sind jedoch nicht Juvins Geschäft. Die obligatorischen Verweise auf Saint Michel wird man bei ihm vergeblich suchen. Sein Hintergrund ist eher der des nüchternen Versicherungsmathematikers als der des glubschäugi-gen fumiste. Trotzdem bleibt natürlich die Frage, inwieweit der Begriff des Körpers, wie er ihn gebraucht, weniger ein definierbarer Gegenstand als vielmehr ein Allzweckoperator ist, der es Juvin gestattet, eine große Bandbreite heterogener Prozesse in einer einzigen Diagnose zusammenzukehren. Das von ihm gewählte Genre ist dafür anfällig. Aufgrund der fehlenden Quellennachweise lassen sich die Belege vieler von Juvins fesselndsten Thesen nicht leicht überprüfen. In dieser Hinsicht könnte man L'avènement du corps für "Kulturkritik" halten. Doch nimmt diese sehr allgemeine Kategorie im vorliegenden Fall spezifischere Gestalt an. Das Buch ist auf einen prophetischen Ton gestimmt: Von einer ungestümen Zukunftsvision besessen, verfügt es frei über die ausgewählten Daten, die diese veranschaulichen sollen. Extrapolation und Übertreibung wohnen dieser Form inne. Nur für den prüdesten Szientisten aber sollte sie deshalb unter ein epistemologisches Verbot fallen. Solange man sich seiner Eigenarten und Grenzen bewußt bleibt, kann eine Übung in diesem Genre ein Zeichen intellektueller Vitalität sein, ohne die das kulturelle Leben ärmer wäre. Ganz offensichtlich trifft dies auf Juvin zu.
Nichtsdestotrotz ist der Horizont des Buches begrenzter als sein Programm. Das neue Regime, das es beschreibt, soll sich angeblich in der ganzen hochentwickelten kapitalistischen Welt durchsetzen. Tatsächlich bezieht sich Juvin jedoch im wesentlichen auf Europa - die Venuszone des Westens, um mit Robert Kagans bissiger Dichotomie zu sprechen, und nicht deren martialisches Gegenstück in den Vereinigten Staaten. Vergleicht man Juvins Schrift mit den beiden Büchern, die Fukuyama verwandten Themen gewidmet hat, werden die Unterschiede deutlich. Erstere schweißt Problematiken zusammen, die letztere auseinanderhalten: Ehe und Familie in Der große Aufbruch und die Biotechnologie in Das Ende des Menschen. Zudem fehlen in Juvins europäischem Prospekt die amerikanischen Lieblingsthemen Verbrechen und Drogen, die in Fukuyamas Arbeiten eine große Rolle spielen. Doch ist der intellektuelle Bezugsrahmen von L'avenement du corps noch beschränkter als sein europäischer Kontext. Das Buch entspringt einer Reihe eigentümlich nationaler französischer Debatten.
Immer betont Juvin die entwurzelte Abstraktion des elektronischen Universums, die Denaturalisierung des menschlichen Körpers und den Atomismus der iPod-Hörer und Websurfer - und zwar im Gegensatz zu den geschichtlichen Bezügen der Menschen zum Land, dessen rauher Widerstand die bäuerliche französische Gesellschaft bis in die fünfziger Jahre hinein prägte. Eine weitere Kontrastfolie bietet die disziplinierende staatliche Ausbildung, die die staatlichen Institutionen der französischen Republik - Schulen, Armee, den öffentlichen Dienst - bis in die jüngere Vergangenheit hinein formte. Die mit Verstädterung, Konsumismus und zuletzt Multikulturalismus einhergehende Auflösung dieser beiden Welten hat zu akuten Spannungen im politischen und geistigen Leben Frankreichs gefährt und die alten Lager von Freund und Feind komplett durcheinandergebracht.
In den darauffolgenden Debatten darüber, in welche Richtung sich die französische Gesellschaft entwickelt beziehungsweise entwickeln sollte, schloß sich Le Debat - die Zeitschrift, in deren Buchreihe L'avénement du corps erschienen ist - den Reihen derer an, die die Schwächung der klassischen Republik beklagen und die Ausbreitung zerfließender, entsublimierter, amerikanisierter Normen der Existenz mit Skepsis betrachten. Diesem Kreis steht Juvin nahe. Doch lassen sich ähnliche Sympathien für eine ältere Ordnung und eine verwandte, im übrigen schärfer formulierte Feindseligkeit gegenüber der neuen auch in der Linken finden. Am wortgewandtesten hat Regis Debray sie vorgetragen. An verschiedenen Punkten seines Buches, etwa in seinen Überlegungen zu 1968, sind Juvins Einschätzungen denen Debrays sehr nahe. Tatsächlich kann man L'avenement du corps als dialektische Fortsetzung von Debrays berühmtem Verdikt über die späten Sechziger lesen, demzufolge die inbrünstigen Mai-Revolutionäre wie Kolumbus glaubten, nach China aufzubrechen, um dann in Amerika zu landen - genauer gesagt, in Kalifornien, wo sie im Namen eines Traumland-Kommunismus eine Kulturrevolution anzettelten, die in Wirklichkeit den amoralischen Konsumkapitalismus in Frankreich einführte und nicht abschaffte. Die Pointe von L'avenement du corps siedelt die List der Vernunft auf der nächsthöheren Stufe an: Der Anbruch eines auf die Transaktionen des Körpers reduzierten Kapitalismus wird sich als ironischer Triumph der ausschweifendsten Delirien des Sozialismus erweisen.
Gibt es Antikörper, die dies verhindern könnten? Daniel Bell, der 1976 mit Die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus den prophetischen Urtext über die antinomischen Konsequenzen eines uneingeschränkten Individualismus aus Mitte-Rechts-Perspektive schrieb, setzt auf die "Wiederkehr des Heiligen"; in ihr soll am Ende das Bollwerk gegen die völlige Desintegration einer geordneten bürgerlichen Welt liegen. Wo Moral und Politik versagt haben, soll die Religion der totalen Zügellosigkeit wehren. Auf der Linken hat Debray einen ähnlichen Zug gemacht (freilich auf der Grundlage einer wesentlich anspruchsvolleren Geschichtstheorie) und den Jenseitsglauben praktisch zur anthropologischen Notwendigkeit erklärt - womit im Normalfall die Weltreligionen gemeint sind, was Debray jedoch unlängst auf beliebige und selbst Laiengemeinschaften ausgedehnt hat. Einen derartigen Trost lehnt Juvin ab, und sein Tonfall erinnert hier eher an Max Weber, der die irrationalen Strömungen seiner Zeit in Wissenschaft als Beruf verächtlich abtat. L'avènement du corps schließt mit einem gedämpften Ton. Als Herrscher der Welt werden die Finanzmärkte bald entthront sein. Gedeihen werden sie aber auch in dem Regime, welches auf das ihre folgt - und das auf kollektive politische Entscheidungen angewiesen sein wird, um über Fragen der Wohlfahrt und ihrer Verteilung zu entscheiden, jedoch die demokratischen Grundlagen solcher Entscheidungen untergräbt. Der Neoliberalismus ist unverzichtbar, aber unerträglich. Dieses Buch ist ein Beitrag zu einem Genre mit Zukunft: bittersüßen Reflexionen - hier mit entschieden mehr Bitterkeit als Süße - zu den Überraschungen, die der Sieg im Kalten Krieg bereithält.
Aus dem Englischen und Französischen von Michael Adrian
Redaktion: Martin Bauer, Gaby Zipfel
Gestaltung: Hans Andree, Max Andree, Wilfried Gandias
Aus: Literatur-Beilage zum Mittelweg 36, Nr. 5 Oktober/November 2006 - Hamburger Institut für Sozialforschung, S.41-52
"Das Votum für ein langes Leben ist der Schlüssel zu den ökonomischen, politischen und sozialen Entscheidungen, die die vor uns liegenden Jahrzehnte bestimmen werden." (S.23)
"Es sind nicht die Greise, denen die Last des Lebens noch länger aufgebürdet wird, es sind die Rentner, die gut in Form sind und nun die Jahre ihrer Aktivität und Lebensfreude verlängert sehen. Mehr als jede Mortalitätsstatistik bezeugen die jüngsten Erhebungen über die körperliche Verfassung von Senioren diese Entwicklung: ein 75jähriger von heute erfreut sich' eines Gesundheitszustandes, den sein Großvater mit 60 erreicht hatte. Wir leben nicht als Alte und Kranke länger, sondern als Erwachsene, die das Alter nur als Mo tivationsschwäche, Inaktivität und Verstärung erleben. Arbeitslosigkeit, öffentliche Fürsorge und erzwungene Untätigkeit lassen diejenigen altern, die bis dahin in ihrer Arbeit, in der Liebe und den Leidenschaften jung geblieben waren, die sich ihre Lebenslust und die Teilhabe an den Zeitläufen erhalten hatten." (S.36)
"Am Anfang von allem steht das lange Leben. Länger als es je zuvor gewesen ist. So lang, daß viele nicht mehr wissen, was sie aus Tagen machen sollen, die sich zu einem Lebenslauf summieren, der verlernt hat, ein Ende zu haben. Die durchschnittliche Lebenserwartung französischer Frauen und Männer beträgt mehr als achtzig Jahre. Eine demographische Revolution hat sich im vergangenen Jahrhundert ereignet, von der nicht ausgemacht ist, ob sie sich zum Vorteil der kommenden Generationen entwickeln wird. Ihre möglichen Folgen sind jedenfalls weit davon entfernt, erkannt, geschweige denn begriffen zu sein." (S. 16)
"Eine junge Französin, Absolventin der European Busines: School, hat im Juni 2004 den von der Harvard Business School ausgeschriebenen Preis f0r das beste Innovationsprojekt gewonnen. Sie will in Boston ein Unternehmen gründen, das die Eizellen junger, unverheirateter Frauen konserviert (in den Vereinigten Staaten stellen fünf Millionen Frauen im Alter zwischen 20 und 27 Jahren ihren Kinderwunsch zurück, um ihre berufliche Zukunft nicht zu gefährden), damit sie zu einem selbstgewählten Zeitpunkt (zumeist nach dem 40. Lebensjahr) und unter optimalen Voraussetzungen (nach dem 27. Lebensjahr verschlechtert sich die Qualität der Eizellen) schwanger werden können. Die Preisträgerin beziffert den ins Auge gefaßten Markt auf jährlich zweistellige Dollar-Millionen betrage und auf mehrere zehntausend Kundinnen." (S.107)
"Denn ein Kind, das Produkt rationaler elterlicher Investition ist, steht unter Perfektionspflicht; es hat vollkommen zu sein, um dem elterlichen Wollen zu genügen, um sich seine Eltern wirklich zu verdienen. Hier zeichnen sich die kommenden Dramen ab: Kinder müssen sich ihrer Eltern als würdig erweisen, sie müssen das Faktum ihrer Geburt rechtfertigen, die in dieser Absicht getroffene elterliche Investitionsentscheidung. Was den Gläubigen ; mit seinem Gott verband, nämlich die Dankbarkeit für den Gnadenakt, erwählt worden zu sein, diese Dankbarkeit schulden kinder ihren eltern." (s. 112)
"Das gute Leben ist zum ersten Mal in der von den Polen Gut und Böse, Seele und Körper, Ewigkeit und Augenblick geprägten Geschichte des Abendlandes ganz den Lüsten verschrieben. Ein guter Mensch zu sein heißt nicht mehr, den der Sünde ausgelieferten Körper zu peinigen, das schwache Fleisch zu bestrafen, dem Gewissen zu folgen und sich betend in den Abschied vom irdischen Leben einzuüben; es heißt, sich es gutgehen zu lassen. Unglücklich wer einen Tag ohne Selbstgenuß verstreichen läßt." (S. 58)
"Die neue Moral reduziert sich auf das Geld und auf das genaue Einhalten von Verträgen, die Individuen miteinander schließen. Mit der Revolution des Liebeslebens soll die Beziehung zwischen einverständigen Erwachsenen -nach wie vor in der Regel die Ehe - für die Partner die persönliche Weiterentwicklung durch das ständige Neuverhandeln der eingegangenen Interessenkompromisse gewährleisten. Das Gleiche gilt für das Verhältnis zwischen den Generationen. Der Vertragsmodus wird zum Gegenstand aller Verhaltensmoral. Bezahlung entlastet von allem - der Paarbildung, dem Kind, dem gegenseitigen Versprechen und der Leidenschaft. Es gibt keinen Vertrag, der nicht eine Frage des Preises wäre. Die Religion des Vertrages sichert einer perfekten Welt, einer Welt ohne Geschichte, ohne Vergessen, ohne Trennungen und Nachsicht, die Ewigkeit." (S. 170)
"An die Stelle des im 20. Jahrhundert prominenten Gegensatzes zwischen Arm und Reich wird im 21. Jahrhundert der Konflikt zwischen denen treten, die von ihrer Arbeit leben, und denen, die Sozialrenten beziehen und von Umverteilungsmaßnahmen profitieren. Die Voraussetzungen dieser Auseinandersetzung sind bereits wirksam, nicht zuletzt in Gestalt der Debatten über einen starken Euro und stabile Preise. Beides begünstigt nämlich die Rentenempfänger, die strukturell Gläubiger sind, auf Kosten der Jungen, die strukturell Unternehmer sind." (S. 44-45)
"Das Einverständnis mit einer unausgesetzt steigender Staatsverschuldung, nicht durch Investitionen ausgelöst, sondern durch konsumtive Ausgaben, signalisiert einen Meinungswandel und eine Verschiebung der kollektiven Präferenzen. Zum ersten Mal gilt das Wort 'Fortschritt' nicht mehr für zukünftige generationen, betrifft es nicht mehr die hinterlassenschaften, sondern das, was ich für mich selbst tun kann - lieber heute besser leben. erstmalig haben wir nicht nur die steuerpacht nicht vergrößert und schulden nicht zurückgezahlt, sondern staatseigentum verkauft und finanzielle verpflichtungen weitergereicht (...) es ist durchaus möglich, daß sich diejenigen irren, die das kollektive Übel einer Betriebsstörung des sozialen Fahrstuhls zuschreiben. die Wurzel des Übels ist die gleichgültigkeit gegenüber der zukunft. Sie kann die Angst vor der Geschichte kaum verbergen. Daß die Menschen sich ganz der Gegenwart und dem Selbst zuwenden, ist mit Händen zu greifen. Ein Syndrom, in dem sich ökologische Befürchtungen, Vorbehalte gegenüber der Wissenschaft und die Empfindung vermischen, die eigene Handlungsfähigkeit eingebüßt zu haben, führt dazu, nichts vererben zu wollen. Dabei handelt es sich weniger darum, die Zukunft an die Gegenwart zu verkaufen, als darum, Zukunft überhaupt zu unterdrücken. Die Solidarität zwischen den Generationen und die nationale Solidarität sind zum Vorwand für die egoistischen Kalküle der Baby-Boomer geworden." (S. 165)
"Die Gesundheitsgesellschaft ist im Zeichen der öffentlichen Gesundheitsvorsorge, der Verminderung von Lebensrisiken, der Verbesserung der Lebensbedingungen und der Vermeidung von Allgemeinerkrankungen auf dem Vormarsch. Weil der Körper zum bevorzugten Objekt des Rechts und einer Flut von Gerichtsverfahren wird, ist er Gegenstand der Norm, der Regel und der Kontrolle. Zur Normierung der Körper kommt es, wenn die Politik biologisch wird. Denn die Evolutionen des Rechts verbinden sich mit Entwicklungen in der Technik und der Moral, nicht bloß um der Politik zu gestatten, nein, um sie darauf zu verpflichten, ein Recht auf Geburt ohne schwere Behinderungen zu garantieren. So sieht sich die Politik mit einem neuen Aufgabengebiet konfrontiert, wo sich ihre alte und schreckliche Todesmacht-Menschen in den Krieg zu schicken, die Todesstrafe zu verhängen - in eine Lebensmacht verwandelt, indem sie darüber entscheidet, zu welchen Bedingungen ein Embryo zur Welt kommen darf, weil er alle notwendigen biologischen Eigenschaften hat, um ein gutes Leben führen zu können." (S. 231)
"Die Illusion vom erreichten Frieden verwandelt die Gesellschaften, die sie entwaffnet. Sie ist Bedingung für die Heraufkunft des Körpers. Es war der Krieg, der die Körper in Dienst stellte, der sie und das Leben den kalten und verschlingenden Ungeheuern überantwortete - den Staaten, Kirchen und Ideologien.
Es war der Krieg, der die Körper zu Mitteln eines Absoluten gemacht hatte - der Heimat, der Grenze, der Nation. Der Friede hingegen überläßt die Körper sich selbst, ihren Lüsten und ihrem Behagen. Das Ende des Krieges bezeichnet folglich eine ungeheure Freiheit der Körper, eine neue Errungenschaft, die große Begegnung mit der Sicherheit des Selbst. Sie erschließt zugleich neue Territorien, etwa das Feld der Autoaggression, des Krieges gegen sich selbst. Und sie gestattet die Heraufkunft des Körpers, den von nun an nichts Fremdes mehr bedrohen kann." (S. 54-55)
"Befriedigung ist nicht mehr das Ziel, sondern die Hölle unserer Gesellschaften: um weiterzuverkaufen, also mehr zu produzieren, bedarf es unbefriedigter Konsumenten. Man muß ihre Wünsche anfeuern, sie ihres unstillbaren Verlangens versichern. Unerfüllte Obsessionen, die sich ständig erneuern, die boulemisch sind, kennzeichnen den idealen Konsumbürger, den das Wachstum braucht." (S.49)
© 2003-2008 by Dr. Dietmar Höhne - Mail: info@aging-alive.de
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Herve Juvin,
L'avenement du corps
Paris 2005, Gallimard
256 Seiten.
Francis Fukuyama
Der große Aufbruch
Wie unsere Gesellschaft eine neue Ordnung erfindet
Wien 2002, Zsolnay Verlag
464 Seiten
Francis Fukuyama
Das Ende des Menschen
München-Stuttgart 2002, Deutsche Verlags-Anstalt
352 Seiten
Robin Blackburn
Banking on Death: Or
Investing in Life: The History and Future of Pensions
London 2004, Verso
550 Seiten
Maurice Godelier
Metamorphoses de la parente
Paris 2004, Fayard
348 Seiten, 678 Seiten
Göran Therborn
Between Sex and Power: Family in the World 1900-2000
London 2004, Routledge
700 Seiten
Adair Turner
Just Capital: The Liberal Economy
London 2001, Macmillan Publishing
400 Seiten